Unser Leben wird täglich von technischen Fortschritten bestimmt. Sicherlich fragen Sie sich, was wir bei UTZ tun, um mit unserem Zertifizierungssystem ebenso auf dem aktuellen Stand der Technik zu bleiben. Wir haben mit dem UTZ-Senior Innovation Manager Henk van Rikxoort gesprochen, um mehr über die Innovationen, an denen UTZ arbeitet, zu erfahren. Und natürlich darüber, wie die Zukunft von UTZ im digitalen Zeitalter aussehen wird.

Die Erste Meile

Wenn neue Technologien in das UTZ-Zertifizierungssystem integriert werden sollen, beginnt bei uns alles mit der sogenannten „Ersten Meile“. Die „Erste Meile“ ist ein interner UTZ-Begriff, der sich auf den ersten Teil der landwirtschaftlichen Lieferkette bezieht: von der individuellen Farmerebene bis zur Ebene der Kooperativen. Dieser Teil der Lieferkette ist für UTZ sehr wichtig, da hier unser Zertifizierungsprogramm implementiert wird, Schulungen stattfinden und Audits durchgeführt werden. Mit anderen Worten: Genau an diesem Punkt können wir eine echte Wirkung erzielen.

Im Kern geht es um Daten. Viele Informationsströme sind nicht immer effizient, daher wollen und müssen wir bestimmte Prozesse erneuern.

Data collectors on a cacao farm in Indonesia

Daten sammeln auf einer Kakaofarm in Indonesien

„Die ‚Erste Meile‘ ist nicht nur eine wichtige Etappe in der Lieferkette, sondern auch der Name eines Innovationsprogramms, welches wir vor zwei Jahren bei UTZ gestartet haben“, erklärt Henk.

„Mit Hilfe des Programms wollen wir herausfinden, wie Zertifizierung in der Zukunft aussehen könnte. Wir können damit Dinge testen und ausprobieren, von denen wir denken, dass sie großes Potenzial im Feld haben. Im Kern geht es um Daten. Farmer und Unternehmen, die in die Zertifizierung investieren, verwalten bereits viele Daten. Das meiste davon stammt nach wie vor aus papiergestützten Systemen. Das bedeutet, dass viele Informationsströme nicht immer effizient ablaufen. Die Zeit für die Datenerfassung ist hoch und die Datenqualität ist nicht immer sehr gut – deshalb wollen wir diesen Prozess erneuern.“

Der erste Schritt heißt Digitalisierung

„Als erstes haben wir uns angesehen, wie wir den Kooperativen im Feld helfen können, damit sie die Informationen für die Zertifizierung auf digitalem Wege anstatt mit Papierformularen sammeln können. Daher haben wir begonnen, mit einigen einfachen digitalen Tools zu arbeiten, zum Beispiel mit Handy-Apps, die auch offline in entlegenen Gebieten eingesetzt werden können. Getestet haben wir dies in Indonesien, Ghana, Côte d’Ivoire und der Türkei. Wir haben dort mit Kooperativen zusammengearbeitet und ihnen beigebracht, wie sie Daten und Informationen mit Smartphones sammeln können. Anschließend waren sie in der Lage, Informationen wie Name, Standort und Größe der Farm sowie deren Produktivität elektronisch zu erfassen – ebenso wie Informationen zur Erfüllung der Anforderungen im UTZ-Standard.“

Risikokarte zeigt die Abholzung (in rot) und geschützten Wald (in grün) in der Nähe von UTZ-Farmen

Datenanalyse zur Leistungssteigerung

„Der nächste Schritt ist die Analyse aller gesammelten Informationen. In unserem ‚Erste Meile‘-Team haben wir zwei Fernerkundungs- und Geo-Raum-Experten. Sie verfügen über das entsprechende Know-how, um diese sowie weitere Datensätze zu analysieren und Feedbacks zu erarbeiten, die ganz individuell auf die Farmer und Kooperativen zugeschnitten sind. Zum Beispiel können wir sehen, ob eine Farm in einer Kooperative zu nahe an der Grenze eines Nationalparks liegt oder ob eine Abholzung stattfinden könnte. Diese Informationen können dann verwendet werden, um Korrekturen vorzunehmen, gegebenenfalls auch gezielter zu beraten oder zu trainieren. Diese Farmerorganisation bekommt dadurch die Möglichkeit, bestimme Nachhaltigkeitsaspekte zu verbessern. Außerdem liefert uns die Analyse detaillierte Leistungsangaben, mit denen die Effizienz und Genauigkeit externer Audits verbessert werden können.“

Unternehmen, die im Feld gute Leistungen erzielen, können potenziell belohnt werden.

Das ist auch einer der Vorteile für Unternehmen, da sie so die Leistung von UTZ-zertifizierten Kooperativen besser überwachen können. Und Unternehmen, die eine gute Performance im Feld vorantreiben, können potenziell belohnt werden.

Henk: „Wenn wir zum Beispiel sehen, dass eine bestimmte Farmergruppe konstant gute Leistungen erbringt, können wir vielleicht eine ‚leichtere‘ Prüfung durchführen. Anstelle von zwei Audittagen mit einem externen Prüfer reicht dann gegebenenfalls auch einer, was die Zertifizierungskosten signifikant verringert.“

Making a family profile of cocoa farmer

Das Profilfoto einer Kakaofarmer-Familie in Côte d’Ivoire wird erstellt

Die Zukunft der datengetriebenen Innovation

Die Digitalisierung der Datenerhebung auf Farmen und die Nutzung dieser Informationen in Kombination mit weiteren Datenbeständen aus dem Bereich der Zertifizierung werden in den kommenden Jahren stark zunehmen. Die Zukunft von UTZ wird darin bestehen, Wege zu finden, diese Daten und Informationen intelligent zu nutzen, um unseren Partnern einen noch größeren Mehrwert zu bieten.

Die Vorteile dieser Anwendungen werden sich letztendlich über die gesamte Lieferkette erstrecken und dem UTZ-Standard mehr Effizienz, Glaubwürdigkeit und Mehrwert bringen. Und Unternehmen, die in Nachhaltigkeit investieren wollen.

„Blicken wir noch weiter nach vorne, fünf Jahre oder mehr, sehe ich uns in der Lage, dass wir diese neue Technologie über das Zertifizierungssystem hinaus auch auf den Feldern zum Einsatz bringen können“, sagt Henk.

UTZ-Mitarbeiter testen Datenerfassungs-App für Haselnusssektor in der Türkei

„Zum Beispiel können wir den Farmern dann vielleicht sagen: ‚Okay, wir sehen eine geringe Produktivität in diesem Gebiet aufgrund degradierter Böden. Wir halten es daher für sinnvoll, in bestimmte Arten von Düngemitteln zu investieren.‘ Oder wir können in der Lage sein, rechtzeitig Warnungen auszusprechen, wenn Schädlinge oder Krankheiten in einem bestimmten Gebiet auszubrechen drohen. Die Vorteile dieser Anwendungen werden sich letztendlich über die gesamte Lieferkette erstrecken und dem UTZ-Standard sowie Unternehmen, die in Nachhaltigkeit investieren, mehr Effizienz, Glaubwürdigkeit und Mehrwert bringen.“

Sie wollen noch mehr über das „Erste Meile“-Programm wissen? Oder Sie wollen sich engagieren und selbst erfahren, wie es Ihrem Unternehmen zugutekommen kann? Kontaktieren Sie uns und wir stellen Ihnen den Kontakt zu Henk van Rikxoort her.