Das Haselnussprogramm von UTZ wächst rasant. Das unabhängige Nachhaltigkeitsprogramm hat mittlerweile mehr als 4.000 Haselnussfarmer sowie 80 Prozent der Exporteure zertifiziert, die im Haselnuss-Sektor in der Türkei arbeiten. Auch in Georgien ist das Programm bereits gestartet. Die Farmer erhalten Trainings, um die Bedingungen für ihre Arbeiter zu verbessern, Kinderarbeit zu verhindern und mit nachhaltigen Anbaupraktiken ihre Produktivität und die Qualität ihrer Ernte zu steigern.

Trotzdem kann das Ziel, den Haselnuss-Sektor nachhaltiger zu gestalten, nur Schritt für Schritt erreicht werden. Um Themen wie Kinderarbeit, Lebensbedingungen der Arbeiter und Produktivität anzugehen, sind Kooperationen zwischen Farmern, Händlern, der Industrie sowie anderen Akteuren wie NGOs und Regierungen erforderlich. Zusammen mit Leonie Haakshorst, Managerin des UTZ Haselnuss-Programms, betrachten wir die sozialen Fragen auf diesem Gebiet genauer und wie wir für Verbesserungen sorgen können.

Wo liegen die Probleme?

Neben den Produktionsproblemen stellt die Abhängigkeit von temporären Wanderarbeitern, die jeden Sommer für die Ernte eingestellt werden, eine der größten Herausforderungen für den Haselnuss-Sektor in der Türkei dar. Es gibt Schwierigkeiten mit informellen Einstellungspraktiken, schlechten Wohnbedingungen der Arbeiter und Kinderarbeit.

Der Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen

„In jedem Land und in jedem Sektor, in dem wir arbeiten, verlangt der UTZ-Standard angemessene Arbeitsbedingungen“, erklärt Leonie. „In Bezug auf Haselnüsse haben wir für die speziellen Anforderungen in der Türkei zusätzliche Bedingungen formuliert.“

„Viele Arbeiter leben in Unterkünften, die von der Regierung oder der Internationalen Arbeitsorganisation zur Verfügung gestellt werden. Unser Standard verlangt von den Farmergruppen, dass sie mit den zuständigen Behörden dafür sorgen, dass ihre Arbeiter Zugang zu sauberem Wasser, zu Sanitäranlagen etc. haben. Stellen die Farmer selbst den Arbeitern Unterkünfte zur Verfügung, müssen sie ihnen angemessene Lebensbedingungen bieten.“

Wie auch in jedem anderen UTZ-Programm muss den Arbeitern als Minimum der Mindestlohn gezahlt werden. Für die Haselnussernte legt die Regierung jedes Jahr den täglichen Mindestlohn fest. Er wird kurz vor der Erntezeit bekannt gegeben. Die Farmer sind dazu verpflichtet, die Zahlung der Löhne zu dokumentieren. Dazu Leonie: „Häufig wird die Arbeit über Arbeitsvermittler vergeben. Wir von UTZ sagen deshalb, dass die Provision direkt vom Farmer, nicht von den Arbeitern gezahlt werden muss.“

Besonders wichtig ist die Dokumentation über die Arbeiter. UTZ-Farmer verzeichnen so beispielsweise, ob die Arbeiter in Begleitung von Kindern kommen.

Kinderarbeit im Fokus

Bei den jährlichen UTZ-Audits werden die Farmen auf jegliche Hinweise überprüft, ob es dort zu Kinderarbeit kommt. Das ist lediglich nur ein Teil unserer Bemühungen, Kinderarbeit zu bekämpfen. Noch wichtiger ist aber, dass Kontrollsysteme vorhanden sind, die dies von vornherein verhindern.

„Wir haben einige spezielle Vorgaben, die Kinderarbeit auf dem Haselnuss-Sektor verhindern sollen. Das betrifft für gewöhnlich die Kinder der Wanderarbeiter, die mit ihren Eltern gemeinsam unterwegs sind“, sagt Leonie. „Die Farmer müssen unter anderem darüber Buch führen, ob die Arbeiter ihre Kinder mitbringen. Außerdem müssen sie sicherstellen, dass angemessene Kinderbetreuungseinrichtungen vorhanden sind, während die Eltern arbeiten.“

Partnerschaften, um mehr zu bewegen

Um Veränderungen in dem Sektor zu bewirken, muss sich die ganze Lieferkette zu dem Ziel nach mehr Nachhaltigkeit bekennen, von den Farmern über die Händler bis hin zu den Supermärkten. Die Haselnuss-Zertifizierung durch UTZ vereint alle Akteure der Lieferkette ebenso wie die Regierung, Gemeinden und NGOs, um den Haselnuss-Sektor nachhaltiger zu gestalten.

„Wir haben in diesem Jahr unter anderem mit der Fair Labor Association in Istanbul zusammengearbeitet, um ein Round-Table-Gespräch zum Thema Kinderarbeit im Haselnuss-Sektor zu organisieren. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns, aber wir haben uns dazu verpflichtet, gemeinsam mit den Stakeholdern aus dem gesamten Sektor darauf hin zu arbeiten, unser Ziel zu erreichen“, erläutert Leonie.

Machen Sie mit und begleiten Sie uns auf unserem Weg hin zu einem nachhaltigeren Haselnuss-Sektor.