Seit wir unser Haselnuss-Programm im Jahr 2014 gestartet haben, ist ein Besuch in der Türkei während der jährlich stattfindenden Haselnuss-Ernte schon beinahe zur Tradition geworden. In diesem Jahr ist unsere PR-Managerin für Europa, Daria Koreniushkina, zusammen mit anderen UTZ-Teammitgliedern dorthin gereist, um uns ein Update zur Situation vor Ort zu geben. In diesem Beitrag lässt sie uns an den Highlights ihrer Reise teilhaben und berichtet, welche Erkenntnisse sie über den aktuellen Stand des jüngsten UTZ-Programms gewonnen hat.

Daria Koreniushkina in Turkey

Daria Koreniushkina in der Türkei

Tag 1: Schulen für Kinder

Wir befinden uns im Herzen der Haselnuss-Anbauregion der Türkei. Während ich noch letzte Vorbereitungen für die nächsten Tage treffe, machen sich meine Kollegen bereits zusammen mit Yavuz auf den Weg. Yavuz ist einer der größten Haselnuss-Exporteure und Produzenten – und einer unserer Partner in der Region. Gemeinsam besuchen sie eine Sommerschule, die Yavuz für die Kinder von Haselnuss-Farmern in Alapli aufgebaut hat. Meine Kollegin Leonie Haakshorst, Managerin des UTZ-Haselnuss-Programms, berichtet Positives:

„Das Schulgebäude befindet sich direkt neben einer Zeltanlage, die sich die Wanderarbeiter für die Zeit der Ernte errichtet haben. Alles scheint fertig zu sein: Eben sind die Bücher angekommen und auch der Schulleiter war bereits da, um den Empfang der Kinder morgen vorzubereiten.“

Tag 2: Treffen mit den Farmern auf den Feldern

Heute sind wir mit Şenocak unterwegs, einem Haselnuss-Exporteur in der Türkei. Şenocak besitzt ein eigenes Werk zur Weiterverarbeitung von Haselnüssen. Darüber hinaus schult Şenocak die Farmer und vermittelt ihnen, wie sie den Code of Conduct von UTZ einhalten. Unser erster Halt ist das Werk in der Nähe der Stadt Ordu. Hier treffen wir Ozgur Genc, Qualitätsmanagerin bei Şenocak. Sie erklärt, dass unser Programm sie dazu angeregt hat, mehr mit den Farmern in Kontakt zu treten. Dadurch fällt es ihnen leichter, Probleme zu erkennen und direkt die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.

Unser zweiter Stop ist eine der Farmen in der Provinz Ordu, von denen Şenocak Haselnüsse kauft.

Sign at Senocak hazelnut farm with rules for agricultural practices

Schild auf einer Haselnuss-Farm von Şenocak, das die Richtlinien für nachhaltige Anbaupraktiken zeigt.

Hamza Furtun, UTZ-Farmer seit 2017, erklärt uns, dass die Trainings von Şenocak sehr wichtig für ihn sind:

Ich möchte ein besserer Farmer werden, indem ich die besten Praktiken zum Schutz der Böden anwende und respektvoll mit anderen Menschen umgehe.

Er kümmert sich jetzt systematisch um die Unkrautbeseitigung und um das Zurückschneiden seiner Pflanzen. Außerdem wendet er jetzt nachhaltige Düngemethoden an. Zusammen mit verbesserten Wetterbedingungen hat dies für ihn bereits zu einer besseren Haselnuss-Qualität sowie zu einem höheren Ertrag geführt – von zwei Tonnen im letzten Jahr zu geschätzt sechs Tonnen in diesem. Er erzählt von seinen Arbeitern und berichtet, dass er nur mit Leuten vor Ort zusammen arbeitet, die er persönlich kennt. Frauen und Männer erhalten bei ihm das gleiche Gehalt. Hamza Furtun erklärt darüber hinaus, dass er sehr streng ist, wenn es darum geht, das Verbot von Kinderarbeit auf seiner Farm durchzusetzen.

Daria in conversation with hazelnut farmer Sabahattin Ilgun

Daria im Gespräch mit dem Haselnuss-Farmer Sabahattin Ilgun

Auf der zweiten Farm treffen wir einen weiteren Farmer, Sabahattin Ilgun. Er zeigt uns die Unterkunft für die Arbeiter, die er so umgebaut hat, dass sie den Anforderungen des UTZ-Standards enstspricht. Die neue Unterkunft hat zwei Zimmer, eine Warmwasser-Dusche, eine Küche und Strom. Die vorherige Unterkunft war viel weniger komfortabel und es gab keine Dusche für die Arbeiter. Im Haselnuss-Hain begegnen wir zwei Wanderarbeitern, die jedes Jahr zur Ernte aus dem Südwesten der Türkei anreisen. Sie berichten uns, dass sie mit der neuen Unterkunft sehr zufrieden sind.

Tag 3: Ein Blick hinter die Kulissen mit den Zertifikatsinhabern

Es ist der dritte Tag unserer Reise und wir besuchen das Treffen der UTZ-Zertifikatsinhaber. Dort kommen alle Inhaber eines UTZ-Haselnuss-Zertifikats aus der Region zusammen. Sie tauschen sich aus und halten sich gegenseitig über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden, damit alle den gleichen Stand haben. Die Updates zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind – aber auch, dass es noch eine Menge zu tun gibt. Osman Tekinarslan, unser Landesvertreter vor Ort, erklärt, dass die meisten Haselnuss-Exporteure in der Türkei bereits am UTZ-Programm teilnehmen. Sie haben bereits viel investiert, um den Standard und das Programm weitreichend umzusetzen. Er betont, dass sich die Anzahl an UTZ-zertfizierten Haselnuss-Farmern 2016 fast verdoppelt hat.

Hazelnut certificate holders meeting Turkey 2017

Haselnuss-Zertifikatsinhaber und das Team von UTZ

Daneben berichten die Zertifikatsinhaber, dass zwar viele Farmer eine steigende Nachfrage nach UTZ-zertifizierten Haselnüssen verzeichnen  – das Angebot an UTZ-Haselnüssen die Nachfrage insgesamt zurzeit aber noch immer bei Weitem übersteigt. Was das Thema Kinderarbeit betrifft, berichtet man uns, dass Farmer generell nicht wollen, dass Kinder für sie arbeiten. Erstens verstößt es gegen das Gesetz, zweitens sind Kinder nicht in gleichem Maße einsetzbar wie Erwachsene. Dennoch ist es für die Farmer manchmal schwierig, Kinderarbeit komplett zu vermeiden – vor allem wenn eine Familie darauf besteht, dass all ihre Mitglieder eingesetzt werden, oder wenn ein Farmer dringend Arbeiter braucht. Unser Team protokolliert diese Herausforderungen, um sie in Zukunft besser angehen zu können.

Tag 4: Die Philosophie der Transparenz eines Haselnuss-Verarbeiters

Es ist der letzte Tag unserer Reise und auf unserer Banner child labor protection project in hazelnutAgenda steht der Besuch des modernen Weiterverarbeitungswerks von Noor. Noor ist gerade dabei, Mitglied des UTZ-Haselnuss-Programms zu werden. Duygu Özel, Manager für Qualitätssteuerung und -sicherung, erklärt, weshalb das Unternehmen am UTZ-Haselnuss-Programm teilnehmen will:

UTZ passt perfekt zu unserer Philosophie der Transparenz. Mit UTZ können wir eine größere Transparenz und Rückverfolgbarkeit erreichen. Zusätzlich können wir der Nachfrage einiger unserer Kunden nach mehr verantwortungsvoll produzierten Haselnüssen gerecht werden.

Leider gibt es noch immer viele Herausforderungen im Bereich Nachhaltigkeit auf dem Haselnuss-Sektor; insbesondere im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter, Kinderarbeit und Produktivität. Nachhaltigkeit ist eine Reise und systemischer Wandel braucht Zeit. Deshalb bin ich froh, dass ich auf dieser Reise gesehen habe, dass Schritte in die richtige Richtung unternommen werden. Ich habe viele Leute getroffen, die unbedingt mit uns zusammenarbeiten wollen, um unser großes Ziel zu erreichen: Nachhaltigkeit auf dem Haselnuss-Sektor zur Norm zu machen.

Ist Ihr Unternehmen bereit, einen Schritt in Richtung Zukunft zu machen und nachhaltige Rohstoffe zu beziehen? Werden Sie noch heute Mitglied im UTZ-Haselnuss-Programm!