Aktualisiert am 22. Mai 2019

Die UN schätzt die Zahl der Familienunternehmungen bei Bauern auf über 500 Millionen weltweit. Diese Kleinbauern stehen einer Reihe von einzigartigen Herausforderungen gegenüber. Oft müssen sie sich wegen hoher Kosten und niedriger Preise um eine nachhaltige Existenzsicherung abmühen, und der Zugang zu Investitionen und Leistungen, die ihr Geschäft verbessern würden, kann sich schwierig gestalten.

ImCocoa_IvoryCoast_farmerfieldschool04 Gegensatz zum Internationalen Fairtrade-Programm ist das UTZ-Programm offen für alle Bauern, von großen Plantagen bis zu Kleingrundbesitzern – aber wir passen unsere Lösungen maßgeschneidert an, um sicherzustellen, dass die verschiedenen Bauern jeweils die Vorteile sehen können. Um herauszufinden, wie das UTZ-Programm insbesondere bei kleinen Bauern funktioniert, haben wir uns bei Siriki Diakité, unserer Vertretung für Westafrika mit Sitz an der Elfenbeinküste, informiert. An der Elfenbeinküste arbeiten wir mit über 193.000 Kakao-Kleinbauern zusammen. Diakité erklärt, dass die Stärkung der Kleinbauern als Gruppe der Schlüssel für das Erzielen von positiven Auswirkungen ist.

Die Macht von Gruppen

„Die meisten Kakao-Bauern in Westafrika besitzen kleine Felder in der Größe von ungefähr 3 Hektar“, sagt Diakité. Das entspricht ungefähr vier Fußballfeldern. „Bei Unternehmungen in diesem Größenbereich kann es sehr schwierig sein, genügend Einkommen zu generieren.“

„Daher tun sich so viele Kleinbauern zu einer Gruppe zusammen, meist Kooperative genannt“, sagt Diakité. „Sie profitieren von Betriebsgrößenersparnissen, wenn es um Investitionen geht, die sie z. B. für Setzlinge und Dünger benötigen. Sie erhalten Zugang zu Schulungen in gute Anbaumethoden. Insgesamt wird ihre Stimme in der Lieferkette gewichtiger.“

Management, Effizienz und Transparenz

Die Bildung einer Gruppe ist der erste Schritt – aber es ist auch wichtig, Kenya coffee recordkeeping traceabilitydass die Gruppe gut geführt wird. Wie funktioniert das? Diakité erklärt: „Wenn sich eine Gruppe von Bauern für eine UTZ-Zertifizierung qualifizieren möchte, muss sie eine ganze Reihe von Managementverfahren umsetzen, einschließlich der Einstellung von Angestellten zur Überwachung des Zertifizierungsprozesses. Diese sollten detailliert über die Bauern in der Gruppe Protokoll führen und regelmäßige Überprüfungen auf allen landwirtschaftlichen Betrieben durchführen.“

Außerdem erhalten die Bauern über die Kooperative Schulungen auf vielen Gebieten, von der guten landwirtschaftlichen Praxis über soziale Themen zu neueren Herausforderungen, wie dem Umgang mit der Klimaveränderung. “

„Ein gutes Management gewährleistet auch, dass Zahlungen und Prämien auf transparente Weise verwaltet und verteilt werden.“

Es kann für eine Gruppe von Bauern eine Herausforderung sein, diese Verfahren umzusetzen, aber ein starkes Management erzielt größere Vorteile für die einzelnen Bauern und für die Gruppe als Ganzes. „Zum Beispiel“, erklärt Diakité, „ermöglicht es die Schulung über gute landwirtschaftliche Praxis den Bauern ihren Ertrag, die Qualität von Kakao – und folglich ihr Einkommen zu steigern. Die Gruppe kann erkennen, welche Bauern die höchsten Erträge erwirtschaften, die Gründe dafür aufdecken und sicherstellen, dass alle Bauern die Schulung oder sonstige Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um ihre Produktivität zu erhöhen.“

Frauen und Jugendliche

Das UTZ-Programm fordert auch, dass die Gruppen von Bauern aktiv werden und Frauen und Jugendliche sowohl als Mitglieder als auch als Leiter der Gruppen integrieren. „Dies ist wichtig für die Bauerngruppen”, sagt Diakité, „da es bedeutet, dass sie von der Erfahrung und dem Fachwissen der ganzen Gemeinschaft profitieren können. Mit einer alternden Bevölkerung an Bauern ist die Produktion von Kakao in der Zukunft gefährdet, und dies hilft sicherzustellen, dass die nächste Generation vorbereitet und bereit ist, ihre Eltern als Bauern nachzufolgen.

Female cocoa farmers joining a Farmer Field School in Ghana

Kakaobäuerinnen in einem Farmer Field School in Ghana

Besser gerüstet für das Bewältigen der Herausforderungen

Viele der Herausforderungen, mit denen die Bauern konfrontiert sind, haben Ursachen, die außerhalb der Anbaugebieten liegen, was bedeutet, dass es für die Bauern sehr schwierig sein kann, sie in den Griff zu bekommen, wenn sie alleine arbeiten. „Wenn es zum Beispiel um ein Thema wie Kinderarbeit geht”, sagt Diakité, „ist es wichtig, dass die Bauern in einer Gruppe arbeiten können, um das Thema anzugehen. Wenn man ein Kind nicht auf seinen Feldern arbeiten lässt, geht es einfach zum Bauern nebenan.”

„Im UTZ-Programm muss die Bauerngruppe eine Risikoeinschätzung vornehmen lassen, um eventuelle Risiken von Kinderarbeit aufzudecken und entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können um dies zu verhindern oder entgegen zu wirken. Eine stärkere Farmergruppe kann eine Veränderung in der gesamten Gemeinschaft anführen – das Bewusstsein für dieses Thema erhöhen, eventuell auftretende Fälle aufdecken und Lösungen finden, um das Kind zurück in die Schule zu bekommen.”

Zertifizierung und darüber hinaus

Die Stärkung der Farmergruppen ist eines von sechs Themen, an denen wir über unser Sektorpartnerschaftsprogramm, arbeiten, neben Klimaveränderung, existenzsichernden Löhnen, Gleichberechtigung der Geschlechter, Kinderarbeit und Produktivität. Die Zertifizierung hat eine enorme Auswirkung, aber dies alles sind Themenbereiche, in denen wir mit anderen wichtigen Interessenvertretern – der Zivilgesellschaft, Regierungen und Unternehmen – zusammenarbeiten müssen, um Veränderungen auf Sektorebene voranzutreiben.