Aktualisiert am 9. April 2019

Um nachhaltige Landwirtschaft zur Norm zu machen, müssen wir Partnerschaften innerhalb von Erzeugergemeinschaften sowie lieferketten- und sektorweit stärken. Um herauszufinden, wie das UTZ-Programm dabei vorgeht und was das mit Zertifizierungen zu tun hat, haben wir mit Mariecke van der Glas gesprochen, die für das Sektor-Partnerschafts-Programm der Rainforest Alliance verantwortlich ist.

Jedes Projekt bringt Bauern sowie Vertreter der Lieferkette und der Zivilgesellschaft zusammen, um den Wandel voranzutreiben und zugleich den Bauern und der Zivilgesellschaft mehr Gehör zu verschaffen.

Jenseits des Hoftors

Das UTZ-Programm hat zwar großen Einfluss auf zertifizierte Bauern, aber viele der Herausforderungen, vor denen sie stehen, haben ihre Ursachen jenseits des Hoftors. „Es gibt strukturelle Probleme wie z. B. Kinderarbeit, Geschlechterungleichheit und niedrige Löhne“, erklärt Mariecke, „und hinzu kommt noch das massive Problem mit dem Klimawandel.“

Und die Bauern sind nicht die einzigen Betroffenen. Mariecke: „Diese Probleme bedeuten eine echte Bedrohung für die Versorgung mit Rohstoffen wie Kakao, Kaffee und Tee, was sich direkt auf den Reingewinn vieler Unternehmen auswirken wird. Es ist im Interesse der gesamten Lieferkette, dass wir etwas tun.“

Stärke durch Zusammenarbeit

Mariecke zufolge spielt die Zertifizierung eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung aller dieser Probleme, und neben der Zertifizierung braucht es auch mehr branchenübergreifende Zusammenarbeit und Innovation. „Deshalb haben wir 2016 in Kooperation mit dem niederländischen Außenministerium unser Sektor-Partnerschafts-Programm gestartet, um unsere Arbeit zu unterstützen und den dauerhaften Wandel voranzutreiben.“

Praktische Umsetzung

Das Programm betrifft sechs wichtige Nachhaltigkeitsthemen: existenzsichernde Löhne, Klimawandel, Stärkung der Bauernvereinigungen, nachhaltige Produktivität, Geschlechtergleichstellung und Kinderarbeit.

Die Projekte konzentrieren sich auf neun Länder: die Elfenbeinküste, Ghana, Uganda, Malawi, Kenia, Indonesien, Nicaragua, Honduras und Guatemala.

„Diese Projekte sind zwar vielfältig, basieren aber alle auf einem ähnlichen Ansatz“, so Mariecke. „Von der Stärkung der Bäuerinnen in Nicaragua über die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit in Uganda bis hin zur Erprobung innovativer Methoden zur Bekämpfung von Kinderarbeit in Ghana bringt jedes Projekt Bauern sowie Vertreter der Lieferkette und der Zivilgesellschaft zusammen, um den Wandel voranzutreiben und zugleich den Bauern und der Zivilgesellschaft mehr Gehör zu verschaffen.“

Project countries UTZ Sector Partnerships program

Möglichkeiten für Unternehmen

„Dieses Programm ist eine spannende Möglichkeit für Unternehmen, auf diese wichtigen Aspekte Einfluss zu nehmen und innerhalb ihrer Lieferkette echte Verbesserungen zu erreichen“, erklärt Mariecke.

„Im Rahmen des Programms arbeiten wir z. B. bereits mit einem großen Unternehmen zusammen, das herausfinden will, wie es auf existenzsichernde Löhne für die Arbeitnehmer innerhalb seiner Lieferkette hinwirken kann. Das ist eine große Herausforderung, weil wir in vielen Fällen gar nicht wissen, wie groß die Differenz zwischen dem tatsächlichen Lohn und dem Existenzminimum ist – das Unternehmen weiß also nicht, wie viel es kosten würde, den Lohn auf ein angemessenes Maß anzuheben.“ Wir haben das Unternehmen mit unseren eigenen Fachleuten zusammengebracht und arbeiten gemeinsam an der Entwicklung eines Pilotprojekts, um einen neuen Ansatz für die Lieferkette des Unternehmens zu testen. Dieses Projekt wird dem Unternehmen dabei helfen, seine Lieferkette nachhaltiger zu gestalten, und die Ergebnisse werden wiederum in unsere Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen und mit der „Global Living Wage Coalition“, einem weltweiten Zusammenschluss für bessere Einkommens- und Lebensbedingungen, einfließen.

Mariecke nennt ein weiteres Beispiel: die Entwicklung nationaler Plattformen, die alle Akteure einer bestimmten Branche zusammenbringen. Mariecke: „Wir unterstützen in mehreren Ländern die Entwicklung solcher Plattformen als Treffpunkt für Bauern, Händler und andere Vertreter der Lieferkette, Organisationen der Zivilgesellschaft und Regierungsvertreter. Unternehmen können so in einem bestimmten Land direkt mit allen relevanten Interessenvertretern ihrer Branche interagieren, ein besseres Verständnis für die verschiedenen Interessen entwickeln und Synergien schaffen. Diese Plattformen sind auch eine perfekte Anlaufstelle für Bauern, um ihre Interessen zu artikulieren – wir denken hier insbesondere an Kleinbauern und Frauen, die häufig von solchen Gesprächen ausgeschlossen sind. Bauern und Unternehmen können außerdem gemeinsam ihre Bedürfnisse an Regierungsvertreter herantragen – z. B. die Notwendigkeit einer besseren Infrastruktur.“

UTZ in Sector Partnerships ProgramStärkung des Kerns des UTZ-Programms

Neben den Vorteilen für Unternehmen, die direkt in Projekte oder Plattformen eingebunden werden, hat diese Maßnahme Auswirkungen auf alle Mitglieder des UTZ Programms. Mariecke: „Dieses Programm unterstützt unsere Kerntätigkeit und erweitert unseren Kenntnisstand zu wichtigen Themen, d. h. seine Auswirkungen werden lieferketten- und branchenweit in allen unseren Erzeugerländern spürbar sein.“

Weitere Information

Weitere Informationen zu den Aktivitäten des UTZ Programms finden Sie hier. Sie haben außerdem die Möglichkeit zum Download unserer zweiseitigen Informationsbroschüre zu diesem Thema.

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