Aktualisiert am 16. Mai 2019

Da die Förderung besserer Arbeitsbedingungen ein wesentlicher Bestandteil des UTZ-Programms ist, verlangen wir von den Bauern, dass sie sich um eine existenzsichernde Entlohnung ihrer Arbeiter bemühen. Eines unserer Hilfsmittel bei diesem wichtigen Thema ist die „Global Living Wage Coalition“ (GLWC), ein weltweiter Zusammenschluss für bessere Einkommens- und Lebensbedingungen. Diesen Monat hat die GLWC ihren 10. „Living Wage Benchmark“-Bericht zum Thema „Existenzminimum“ veröffentlicht, der einen entscheidenden Schritt hin zur Gewährleistung angemessener Löhne für Landarbeiter darstellt.

Was ist die GLWC?

Die Rainforest Alliance ist nicht die einzige Normungsorganisation, die sich ein Existenzminimum und bessere Arbeitsbedingungen auf die Fahne geschrieben hat. Unter dem Dach der GLWC, die von der „ISEAL Alliance“ unterstützt wird, haben sich vier Organisationen zusammengeschlossen: Fairtrade International, GoodWeave, Social Accountability International und Rainforest Alliance. Wir arbeiten gemeinsam an der Entwicklung eines angemessenen Entlohnungsmodells für jedes Land und testen dieses dann vor Ort. Wir hoffen, durch die Bündelung unserer Anstrengungen schneller Fortschritte machen zu können, damit in Zukunft mehr Arbeiter einen fairen Lohn erhalten.

Was ist ein „Existenzminimum“?

Infographic of benchmark Minas Gerais Brazil by Global Living Wage Coalition

Schauen SIe sich die gesamte Inforgraphik über die Ergebnisse für Minas Gerais, Brazil

Ein existenzsichernder Lohn soll so hoch sein, dass ein Arbeiter für sich und seine Familie einen angemessenen Lebensstandard gewährleisten und noch einen kleinen „Notgroschen“ zurücklegen kann. Der konkrete Betrag ist von Land zu Land – und sogar von Region zu Region – sehr verschieden, weil die Kosten für Nahrung, Unterkunft und sonstige Güter des täglichen Bedarfs nicht überall gleich sind. Wie also weiß man, wie viel es sein sollte? Die Existenzminima basieren auf Forschungsergebnissen und geben Aufschluss darüber, wie hoch die Entlohnung eines Arbeiters in einer bestimmten Branche und einem bestimmten Land sein muss, damit sie angemessen ist. Die 10 bisher veröffentlichten Existenzminima decken verschiedene Regionen und Länder ab, vom ländlichen Kenia über Malawi und Brasilien bis hin zur Dominikanischen Republik.

Wer wird diese Existenzminima nutzen?

Sobald ein Existenzminimum feststeht, können es Landarbeiter oder ihre Vertreter nutzen, um mit ihrem Arbeitgeber (dem Eigentümer der Plantage) über einen höheren Lohn zu verhandeln. Anhand der Existenzminima können die Prüfer von UTZ-zertifizierten Plantagen leichter erkennen, ob ein Bauer seine Arbeiter angemessen bezahlt; falls die Löhne zu niedrig sind, können die UTZ-zertifizierten Bauern mithilfe der Existenzminima einen Lohnverbesserungsplan entwickeln, um die Löhne schrittweise anzuheben. Da es noch kein Existenzminimum für alle Länder und Regionen gibt, die für das UTZ-Programm relevant sind, bleibt noch einiges zu tun.

Wie sieht die praktische Umsetzung aus?

Eines der ersten Existenzminima, das für das UTZ-Programm von Bedeutung ist, betrifft Minas Gerais in Brasilien – eine Region, in der Kaffee angebaut wird. Um zu ermitteln, welches Existenzminimum angemessen ist, wurden die regionalen Kosten für Nahrung, Unterkunft und andere lebensnotwendige Güter berücksichtigt. Man fand heraus, dass ein existenzsichernder Lohn für Arbeiter auf Kaffeeplantagen in dieser Region Brasiliens bei 1.629 R$ (477 US-Dollar) pro Monat liegen müsste, während der übliche Lohn 1.307 R$ (383 US-Dollar) pro Monat beträgt – was bedeutet, dass bei den Lohnbedingungen in dieser Region noch Verbesserungsbedarf besteht.

Sie wollen mehr wissen?

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, warum ein angemessener Lohn für die UTZ-Zertifizierung so wichtig ist, können Sie unser Positionierungspapier lesen oder sich die Existenzminima auf der Website der „Global Living Wage Coalition“ ansehen.