Ende August 2017 fand in Indien das aktuellste Auditoren-Training für die Region Asien statt. Im Mittelpunkt der Schulungen standen Anschauungsbeispiele für die Auditierung sozialer Kriterien und Themen wie Arbeits- und Lebensbedingungen.

Die Unterstützung durch externe Zertifizierungsstellen ist Teil des UTZ-Kontrollsystems. Die Zusammenarbeit mit weltweit nahezu 60 offiziell anerkannten und unabhängigen Zertifizierungsstellen bietet denjenigen, die eine UTZ-Zertifizierung anstreben, eine Vielzahl an Möglichkeiten und somit viel Flexibilität. Im Rahmen von Audits überprüfen die Zertifizierungsstellen, ob die  UTZ-Standards und damit die Voraussetzungen für die Zertifizierung erfüllt werden.

UTZ schult die Zertifizierungsstellen in seinen Standards – dem Code of Conduct für Farmer, der Chain of Custody für die Akteure der Lieferkette – und vermittelt Richtlinien dafür, wie die verschiedenen Anforderungen auszulegen sind.

Indien: zweitgrößter Tee-Produzent der Welt

Indien ist die weltweite Nummer zwei in der Tee-Produktion. Der Tee stammt dabei aus vielen verschiedenen Regionen – die allesamt so vielfältig sind wie das Land selbst. Und auch ihr Entwicklungsstand ist unterschiedlich stark ausgeprägt.

Der Großteil des Teeanbaus, nämlich rund 80 Prozent, erfolgt in den nördlichen Regionen. Am bekanntesten ist Indien vermutlich für seine Tees aus Assam und Darjeeling.

Darjeeling: Region für den „Champagner unter den Tees“

Im Jahr 2016 stammten etwa 17 Prozent des als UTZ-zertifiziert verkauften Tees aus Indien. UTZ-zertifizierte Produzenten finden sich ebenfalls in verschiedenen indischen Regionen. Unter anderem im berühmten Darjeeling (in den Westbengalen), wo momentan etwa 40 Teefarmen UTZ-zertifiziert sind – 30 von ihnen sind gleichzeitig auch Bio-zertifiziert. Lediglich 87 Teefarmen beziehungsweise Teegärten wurde vom Tea Board of India das Recht zugesprochen, ihren Tee als Darjeeling-Tee auszuzeichnen.

Die Arbeitsbedingungen für Tee-Arbeiter in Darjeeling sind schwierig. Besonders im Sommer 2017, seit dem die Region von politischen und sozialen Unruhen betroffen ist. Im Allgemeinen sind die Arbeitsbedingungen in Darjeeling jedoch weniger problematisch als im ärmeren Assam. Dort sind die Löhne geringer. Außerdem sehen sich die Tee-Arbeiter und ihre Familien in Assam oft mit schlechter Unterbringung, einer unzureichenden Versorgung mit Toiletten und sanitären Anlagen sowie mit einem eingeschränkten Zugang zu Trinkwasser konfrontiert.

Tea farmers (India)

Tea farmers (India)

Assam: eine der ärmsten Regionen Indiens

In den Tee-Anbaugebieten Assams gehören strukturelle Armut und eine mangelhafte Infrastruktur nach wie vor zu den größten Herausforderungen. 32 Prozent der Menschen in Assam leben in Armut.

Mehr als 50 Prozent der Landbevölkerung Assams arbeitet in der Landwirtschaft. Die Teeindustrie hat daran einen erheblichen Anteil: Rund 17 Prozent der Arbeiter in Assam sind im Tee-Anbau beschäftigt, Tee gilt in der Region als wichtigstes Erntegut.

In Assam gibt es mehr als 850 Teefarmen. Sie erstrecken sich über mehrere tausend Hektar Land.

Schritt für Schritt zu einem besseren Leben

Um angemessene Arbeits- und Lebensbedingungen für die vielen Tee-Arbeiter dort zu schaffen, muss das Niveau der Teefarmen in Assam im Ganzen gesteigert werden.

Aktuell (August 2017) gibt es in Assam 16 UTZ-zertifizierte Farmen. Die meisten von ihnen starteten ihre Reise in Richtung Nachhaltigkeit im Jahr 2016, nur drei der 16 Farmen nehmen seit mehr als zwei Jahren am UTZ-Programm teil. Die Farmen müssen sich an den Code of Conduct von UTZ halten und nachweisen, dass sie stetige Fortschritte machen.

Die Messlatte Jahr für Jahr anzuheben, ist ein wesentlicher Bestandteil des UTZ-Kontrollsystems. Vom ersten Jahr an müssen die Farmer bestimmte Schlüsselkriterien erfüllen. Diese betreffen die Sicherheit der Farmen, Farm-Management und Protokollführung sowie den Schutz der Arbeiter und  der Umwelt. In den Folgejahren kommen immer detailliertere Anforderungen hinzu, sodass die Farmer Raum haben, um sich laufend weiter zu entwicklen und für Verbesserungen zu sorgen.

Unabhängige Auditoren überprüfen regelmäßig, ob die Produzenten den Code of Conduct befolgen. UTZ schult diese Auditoren und überwacht auch deren Tätigkeit engmaschig.

UTZ ist fest entschlossen durch diese Maßnahmen zu einem nachhaltigeren Tee-Sektor in Indien beizutragen. Einer Branche, die sich weiterhin mit Herausforderungen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Entwicklungsstand konfrontiert sehen wird – in der es aber auch viel Spielraum gibt, um das Niveau Schritt für Schritt zu steigern.