Bisher gibt es nur wenige Informationen zu den Auswirkungen, die der Klimawandel auf die Teeanbauregionen weltweit hat. UTZ hat sich deshalb mit dem Forschungsinstitut „Center for Tropical Agriculture“ (CIAT) zusammengetan, um die absehbaren Auswirkungen des Klimawandels auf die Teeproduktion in Malawi abzubilden. Gleichzeitig liefert die nun erschienene Studie wichtige Anhaltspunkte dafür, wie  der Sektor langfristig nachhaltiger gestaltet werden kann.

Cover CIAT report climate change tea production MalawiMalawi ist der zweitgrößte Teeproduzent in Afrika und eines der Länder, das den Folgen des Klimawandels am stärksten ausgesetzt ist. Die Teeindustrie ist der größte Arbeitgeber im formellen Sektor Malawis: Sie beschäftigt 50.000 Arbeiter und bietet mehr als 140.000 Kleinbauern ein Auskommen. Die drei Teehauptanbaugebiete des Landes sind Nkhata Bay, Mulanje und Thyolo.

Die Studie aus November 2017 hat zahlreiche Mapping-Verfahren ausgewertet und so ermittelt, dass die genannten Anbauregionen verschieden stark vom Klimawandel betroffen sein werden – allerdings wird es in ganz Malawi schwieriger werden, Tee anzubauen.

Verringerter Niederschlag, gestiegene Temperaturen

Princewell Arnold Pendame tea farmer Malawi

Teefarmer Princewell Arnold Pendame

Nkhata Bay liegt im Norden des Landes und trägt das höchste Risiko für Veränderungen durch den Klimawandel. Vorausgesagt sind verringerte Niederschläge und steigende Temperaturen. Es ist davon auszugehen, dass diese Bedingungen den Teeanbau bis zur Mitte des Jahrhunderts zu einem unrentablen Geschäft machen werden.

Für Thyolo ist die Prognose, dass der Teeanbau in den Flachlandebenen wegen steigender Temperaturen zunehmend vor Problemen stehen wird. Das Klima in Mulanje hingegen ist feuchter als in Thyolo. Diese Region ist deshalb weniger stark betroffen.

Die Veränderungen sind bereits heute spürbar. Princewell Arnold Pendame baut seit über 20 Jahren Tee in Malawi an. Er sagt: „Man merkt, dass das Klima sich verändert hat. Ich musste deshalb bereits ein Bewässerungssystem einrichten. Doch die Maßnahme ist teuer und stellt dadurch eine weitere Herausforderung dar. Denn wer kein Geld hat, kann es sich nicht leisten, in Malwai Tee anzubauen – es ist hier einfach zu trocken.“

Wie UTZ die Studienergebnisse nutzen wird

Die Studie wurde vom UTZ-Sektor-Partnerschaftsprogramm koordiniert und finanziert. Durchgeführt wurde sie in enger Zusammenarbeit mit der Initiative „Malawi Tea 2020“. Die Auswirkungen des Klimawandels zu verstehen, ist der erste Schritt, um sich darauf vorzubereiten. Davon sind wir bei UTZ überzeugt. Karten, die die Folgen des Klimawandels illustrieren, sind besonders hilfreich, um den verschiedenen Stakeholdern dieses Thema näherzubringen. Sie sensibilisieren für die Maßnahmen, die nötig sind, um den Sektor zu schützen.

Bedingungen für die Teeproduktion in Malawi: derzeitiger Stand, Prognosen für 2030 und für 2050

 

Konkrete Projekte

UTZ engagiert sich in drei verschiedenen Folgeprojekten. Eines davon ist die Entwicklung eines sektorweiten „Environmental Sustainability Management Plan“ (Maßnahmenplan für umweltbezogene Nachhaltigkeitsfragen) für die Teeproduktion in Malawi. Er wird Teefarmen und Kleinbauern helfen, eigene Anpassungsstrategien aufzusetzen – passgenau für ihre jeweilige Situation.

Zusätzlich arbeitet UTZ gemeinsam mit Tee-Kleinbauern aus Malawi an einem Projekt zur regionalespezifischen Adaption. Es hat zum einen das Ziel, den Auswirkungen des Klimawandels auf den Tee zu begegnen. Zum anderen geht das Projekt auch die langfristigen Umweltschäden wie Bodenzersetzung, Abholzung und den Mangel an sauberem Wasser an.

Außerdem entwickelt UTZ Arbeitsmaterialien, die den Tee-Kleinbauern Anpassungsmaßnahmen für den Klimawandel an die Hand geben. Dadurch sollen die Farmer für das Problem sensibilisiert werden und ihnen Praktiken nähergebracht werden, um besser mit den veränderten Bedingungen umgehen zu können.

Die Verbesserung des Zertifizierungsprogramms

UTZ wird die Studienergebnisse außerdem nutzen, um sein Zertifizierungsprogramm weiter zu verbessern. Viele der Anbaupraktiken, die im UTZ Code of Conduct aufgeführt sind, zielen darauf ab, die Produzenten widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Ein Beispiel für eine solche Anpassungsstrategie ist das Pflanzen von Bäumen rund um die Anbauflächen. Das kann die Temperaturen um die Teepflanzen herum senken und zu einer besseren Wasserspeicherung im Boden führen.

UTZ wird die Teefarmer in Zukunft noch stärker dabei unterstützen, schattenspendende Bäume zu pflanzen und ihnen spezifischere Anleitungen zu diesem Thema zur Verfügung stellen. Außerdem wird UTZ den Wissensaustausch zwischen verschiedenen Ländern, wie Kenia, Zimbabwe und Malawi, erleichtern. Lesen Sie hier mehr dazu, wie UTZ dazu beiträgt, dem Klimawandel zu begegnen.

Klimagerechte Teeproduktion

Von einer nachhaltigen Teeproduktion profitieren sowohl Unternehmen als auch Konsumenten. Die Nutzungsdauer einer Teepflanze beträgt bis zu 50 Jahre und ist damit entsprechend lang. Ändern sich die Bedingungen für den Teeanbau innerhalb der nächsten zehn bis 20 Jahre, betrifft das also auch Pflanzen, die schon heute angebaut werden und wachsen. Aus diesem Grund wird UTZ weiter mit innovativen Maßnahmen daran arbeiten, den Tee-Sektor in Malawi und auch darüber hinaus langfristig klimagerecht zu gestalten – damit wir alle weiterhin qualitativ hochwertigen Tee beziehen und genießen können.

Hier finden Sie die vollständige Studie (auf Englisch) sowie die begleitende Stellungnahme von UTZ (auf Englisch) zum Download.