Aktualisiert am 17. April 2019

Das UTZ Programm verfolgt einen ausgewogenen Nachhaltigkeitsansatz, der auf drei Säulen ruht, nämlich: Soziales, Ökologie und Ökonomie. Heute sprechen wir mit Henriette Walz, Global Lead Deforestation, über den ökologischen Faktor aus dem Blickwinkel unseres Kaffeeprogramms. Sie erklärt anhand konkreter Beispiele, warum der Einkauf von nachhaltigem Kaffee besser für die Umwelt ist.

Nachhaltiger Kaffee und Abwassermanagement

Washed process of coffee cherries in Vietnam

Nassaufbereitung in Vietnam

Etwa zwei Drittel der Kaffeebohnen< werden im sogenannten „Nassverfahren“ verarbeitet. Dabei wird die Kaffeebohne unter Einsatz großer Wassermengen von Schale und Fruchtfleisch (Pulpe) befreit. „Das verunreinigte Abwasser fließt dann oft wieder in die Natur zurück und verschmutzt die Umgebung und das Wasser, das von den Menschen zum Trinken, Waschen und Spielen verwendet wird“, so Henriette.

UTZ-zertifizierte Bauern lernen, beim Wassermanagement bessere Techniken anzuwenden, um die Probleme der Nassaufbereitung zu bewältigen. Dazu gehört, dass sie sauberes Wasser getrennt von Schmutzwasser aufbewahren, den Wasserverbrauch während der Nassaufbereitung senken, indem sie das gebrauchte Wasser nach Möglichkeit wiederverwenden, und ein Wasseraufbereitungssystem nutzen, um die Verschmutzung durch Abwasser ganz zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren.

Es tut sich etwas

Unser Wasserprojekt in Mittelamerika ist ein Musterbeispiel dafür, wie Abwasser sinnvoll für andere Zwecke genutzt werden kann. Im Rahmen des Projekts wurde Abwasser aus der Kaffeeproduktion in eine sichere, erneuerbare Energiequelle verwandelt, die die lokalen Familien nutzen können, um ihre Öfen oder Landmaschinen zu betreiben.

Biogas digesters, implemented through the project reduced levels of contamination in coffee wastewater by 81.3%

Durch das Projekt wurde der Verschmutzungsgrad des Kaffee-Abwassers um 81,3 % reduziert

Marvin Mairena, ein Bauer und Agrarwissenschaftler, der bei dem Projekt mitgewirkt hat, erzählt von den spektakulären Veränderungen:

„Im ersten Jahr senkte das neue System den Verschmutzungsgrad [des Abwassers] um 81,3 %. Früher brauchten wir zum Entpulpen von 46 Kilo Kaffeekirschen etwa 1.500 Liter Wasser. Jetzt sind es nur noch 250 Liter.“

Jeremias Benitz Díaz, ein UTZ-zertifizierter Kaffeebauer aus Honduras, profitiert ebenfalls von einem nachhaltigen Ansatz. Er beschreibt den erlebten Wandel folgendermaßen:


Nachhaltiger Kaffee und Anpassung an den Klimawandel

Ein weiteres Problem für Kaffeebauern ist der Klimawandel. „Kaffee kann nur unter ganz bestimmten Umweltbedingungen gedeihen“, so Henriette. „Angesichts der wachsenden Problematik des Klimawandels hat die Kaffeeproduktion zunehmend mit steigenden Temperaturen, unberechenbaren Niederschlägen, Trockenperioden und anderen Umweltproblemen wie Schädlingen und Krankheiten zu kämpfen.“

UTZ-zertifizierte Bauern lernen, wie man diesen Herausforderungen mit Methoden begegnet, die ihnen nicht nur dabei helfen, sich an den Klimawandel anzupassen, sondern außerdem die negativen Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf das Klima reduzieren.

Henriette: „Zu den guten Anbaumethoden, die Bauern übernehmen können, um besser mit den Folgen des Klimawandels zurechtzukommen, gehören u. a. das Pflanzen von Bäumen als Schattenspender, die Anwendung effizienter Bewässerungsmethoden und das Bedecken des Bodens mit Kompost, um ihn widerstandsfähiger zu machen.“

Das UTZ-Programm hört hier allerdings noch nicht auf. „Es ist außerdem unerlässlich, dass wir den Bauern bei einer Risikobewertung ihrer eigenen Situation helfen, damit sie sich der Auswirkungen des Klimawandels in ihrer Region bewusst werden und sich für spezifischen Maßnahmen entscheiden können“, so Henriette. „Indem wir den Bauern z. B. zeigen, wie sie Aufzeichnungen zu Naturphänomenen wie Niederschlägen führen, geben wir ihnen eine Entscheidungshilfe für geeignete Maßnahmen an die Hand.“

Es tut sich etwas

Drei Jahre lang haben wir zusammen mit der DE Foundation an einem ehrgeizigen Klimaprojekt mit dem Titel „Coffee Climate Care“ (C3) gearbeitet, um 1.250 Kaffeebauern in Vietnam bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu unterstützen. Im Rahmen des Projekts wurden den Bauern Anbaumethoden vermittelt, die im Einklang mit der Umwelt stehen.

Tran van Tho, ein vietnamesischer Kaffeebauer, der an dem Projekt teilgenommen hat, erzählt von den positiven Veränderungen.

Kaffeebauer Tran van Tho über Umgang mit Klimawandel

Tran van Tho über Klimawandel in Vietnam nach C3

Erzählen Sie darüber!

Durch den Einkauf von UTZ-zertifiziertem Kaffee unterstützt Ihr Unternehmen den Umweltschutz auf und um Kaffeeplantagen weltweit. Erzählen Sie Ihren Kunden davon! Laden Sie unser Marketingmaterial zum Thema „Klimawandel“ herunter. Darin finden Sie Tipps für Ihre Nachhaltigkeits-Story. Weitere Informationen zum Klimawandel gibt es hier.

Wir empfehlen auch das Interview mit Henriette (3″26), welches Teil einer Dokumentation über die ekologischen Auswirkungen von Landwirtschaft ist und deren Beziehung zu Entwaldung, Klimawandel und Verlust von Biodiversität (auf Englisch):