Aktualisiert am 23. Mai 2019

COAGRICSAL im Nordwesten Honduras ist eine von UTZ- und Rainforest Alliance-zertifizierte Kooperative aus mehr als 2.000 Kaffee-Kleinbauern und Kakao-Produzenten. Die Kooperative hat es sich zur Aufgabe gemacht, den nachhaltigen Anbau in der Region zu stärken und Kinderarbeit zu bekämpfen. Genau diesen Themen widmet sich der 32-jährige Roberto Lopez als Nachhaltigkeitsbeauftragter in COAGRICSAL seit 2016. Wir haben uns mit Roberto getroffen, um mehr über seine tägliche Arbeit zu erfahren. Er setzt sich dafür ein, die Lebensbedingungen der Bevölkerung vor Ort zu verbessern und überall in Honduras nachhaltigere Anbaumethoden zu realisieren.

Roberto Lopez COAGRICSAL Honduras

Roberto Lopez

Über das Leben eines Nachhaltigkeitsbeauftragten

COAGRICSAL logoWie kamen Sie zuerst zum Kaffeeanbau?

 „Mein Großvater war Kaffeebauer und ich habe ihm schon früher immer auf der Farm geholfen. So richtig in die Branche eingestiegen bin ich aber im Rahmen eines Praktikums. Dabei habe ich mich in die Kaffeeindustrie verliebt. Es ist eine riesige Welt und durch meine Arbeit sehe ich all die guten Dinge, die wir gestalten können.“

Was sind Ihre täglichen Aufgaben als Nachhaltigkeitsbeauftragter von COAGRICSAL?

„Meine Arbeit konzentriert sich vor allem auf die Farmer. Je besser ich sie kenne, umso leichter kann ich Maßnahmen entwickeln, um den Anbau zu unterstützen und zu verbessern. Das bedeutet, dass ich im ständigen Austausch mit den Farmern stehe und ihnen dabei helfe, den Standards jeder einzelnen Zertifizierung zu entsprechen. Weiterhin zählt es zu meinen Aufgaben, Trainingsprogramme zu entwickeln und Finanzierungen auf die Beine zu stellen.“

Über die Zertifizierung

COAGRICSAL ist seit 2007 UTZ-zertifiziert und hat derzeit 355 aktive UTZ-zertifizierte Mitglieder. Was hat sie zur Zertifizierung bewogen?

„Ohne Farmer gäbe es weder Kaffee noch Kakao. Wir sollten uns also um sie kümmern und langfristige Partnerschaften aufbauen sowie für nachhaltige Ernten sorgen, um die gesamte Industrie gesund zu halten und weiter zu verbessern. Unsere Hoffnung war außerdem, dass uns die Zertifizierung hilft, neue Märkte für uns zu erschließen, die uns im Gegenzug ermöglichen, bessere Preise für unsere Farmer auszuhandeln.“

COAGRICSAL cooperative Honduras

Die COAGRICSAL-Kooperative in Honduras

Mit welchen Hürden oder Herausforderungen der Zertifizierung sahen Sie sich konfrontiert?

„Die Mentalität der Menschen vor Ort zu verändern, war eine große Herausforderung. Manchmal standen wir hartnäckigen Meinungen gegenüber, wenn es darum ging, bestimmte soziale oder ökologische Anforderungen an die Zertifizierung umzusetzen. Auch die Kosten sind manchmal eine Hürde für uns. Dann müssen wir als Kooperative Wege finden, uns das leisten zu können. Schließlich wollen wir unsere Farmer unterstützen.“

Was hat die Zertifizierung in Ihrer Kooperative verändert?

„Die Zertifizierung ermöglicht uns einen Zugang zu besseren Märkten und zu besseren Preisen für unser Produkt. So können wir in Maßnahmen investieren, die unsere Produktivität erhöhen und den Weiterverarbeitungsprozess verkürzen. Alles in allem macht sie unsere Kooperative wettbewerbsfähiger. Zusätzlich konnten wir aufgrund der Zertifizierung Bildungs- und Gesundheitsprogramme für unsere Farmer aufsetzen und sie stärker in die Organisationsführung einbinden.“

Über die Rolle von Unternehmen in der Lieferkette

Roberto Lopez discussing business opportunities in Europe

Roberto auf einem europäischen Kaffee-Event, im Austausch über Möglichkeiten der Zusammenarbeit

Wie sehen Sie die Rolle von Unternehmen weiter oben in der Wertschöpfungskette in Bezug auf Nachhaltigkeit?

„Wir alle müssen zusammenarbeiten. Die Wertschöpfungskette für Kaffee und Kakao umspannt die ganze Welt und jeder muss seinen Beitrag leisten. In der Vergangenheit haben wir Projekte mit großen Unternehmen umgesetzt, was mir zeigt, dass es möglich ist, als globale Gemeinschaft zu agieren.“

Was denken Sie, sollten mehr Unternehmen wissen?

„Sie sollten wissen, dass wir – die kleinen Farmer – wachsen und dass der Markt mehr Aufmerksamkeit verdient. Kaffee anzubauen ist nicht leicht und aus diesem Grund benötigen wir bessere Preise und mehr nachhaltige Programme.“

Über die Zukunft des Kakao- und Kaffeeanbaus

Woran arbeitet COAGRICSAL noch?

„Wir arbeiten an vielen verschiedenen Themen. Dazu zählen unter anderem Kinderarbeit und Klimawandel. Wir setzen uns aber auch für Gleichberechtigung und Bildung ein oder beschäftigen uns damit, wie wir mehr junge Menschen dazu bringen, Kaffee und Kakao anzubauen. Der Klimawandel ist zurzeit noch etwas, das wir verstehen und nachvollziehen können. Allerdings wird dieses Thema zukünftig komplexer und größer werden. Erntezeiten, Anbauhöhen und Qualitätsniveaus haben sich bereits verändert und wir sollten uns wirklich sehr bemühen, dieses Thema anzupacken und einen Plan B zu entwickeln.“

School children in Honduras„Viel Zeit und Energie verwenden wir auch darauf, Kinderarbeit zu stoppen. Wir stärken das Bewusstsein der Familien für die Möglichkeiten, die der Schulbesuch ihnen und ihren Kindern bietet. Wir verteilen außerdem Schulmaterialien, bauen Klassenzimmer, unterstützen mit Stipendien und vielem mehr.“

„Zu guter Letzt motivieren wir junge Menschen dazu, verbesserte Methoden und technologische Innovationen für den Kaffeeanbau zu entwickeln. So wird die Industrie interessanter für sie. Mit dem Kakao läuft es bisher sehr gut. Derzeit bauen wir eine Fabrik, in der wir Schokolade so herstellen wollen wie es unsere Vorfahren, die Maya, getan haben.“

Worauf sind Sie in Hinblick auf Ihre Arbeit besonders stolz?

„Nichts ist vergleichbar mit dem Gesicht eines kleinen Kindes zu Schulbeginn, wenn es seine neue Schultasche öffnet und bunte Stifte sowie neue Notizbücher darin findet. Kaffee und Kakao sind mehr als ein leckeres Getränk in einer schönen Tasse: Sie stehen für einen Traum und die Arbeit von hunderten Familien überall auf der Welt. Ich bin so stolz, wenigstens einen kleinen Teil dazu beizutragen. Die Lebensqualität derer zu verbessern, die diese Produkte herstellen, macht mich sehr zufrieden.“

Erfahren Sie hier mehr über den proaktiven Ansatz von COAGRICSAL zur Bekämpfung von Kinderarbeit. Sie wollen Kooperativen wie COAGRICSAL unterstützen? Dann werden Sie Teil unseres Kaffee- oder Tee-Programms.