Die Landwirtschaft hat nur dann eine nachhaltige Zukunft, wenn Frauen und Männer gleich behandelt werden. Das UTZ-Programm setzt sich auf zwei Ebenen für dieses Thema ein: mit dem UTZ-Code of Conduct sowie mit Partnerschaften und Projekten auf Branchenebene. Die Gender-Expertin Joky François erklärt, wie dies inder Praxis aussieht.

(Aktualisiert am 28-09-2018)

Es gibt weltweit mindestens 560 Millionen Farmerinnen und Farmarbeiterinnen. Damit machen sie durchschnittlich 43 Prozent der gesamten Arbeitskraft in diesem Bereich aus. Diese Frauen sehen sich einer Vielzahl geschlechtsspezifischer Herausforderungen gegenüber.

Women carrying cocoa pods during harvest in Côte d’IvoireHerausforderungen für Frauen

Gesellschaftliche Normen verhindern oftmals, dass Frauen Land besitzen. Dieser Umstand führt wiederum dazu, dass sie geringere Möglichkeiten haben, Kredite zu erhalten oder Mitglied in einer Kooperative zu werden. Für Frauen ist es so besonders schwierig, an Schulungen teilzunehmen und Zugang zu Informationen und neuen Innovationen zu erhalten.

Hinzu kommt, dass Frauen die Hauptverantwortung für die Familie tragen und die meisten Aufgaben im Haushalt übernehmen. Diese zusätzlichen Belastungen geben kaum Raum, daneben auch noch Zeit in die Farmarbeit zu investieren.

Studien zeigen, dass Frauen 20 bis 30 Prozent mehrWomen processing coffee on UTZ certified farm in BrazilErnteertrag als bisher erzielen können, wenn ihnen die gleichen Mittel, Schulungen und Informationen zur Verfügung stehen wie den Männern.

„Frauen sind in allen Ländern der Welt benachteiligt. Aber die Dinge ändern sich langsam“, sagt Joky. „Immer mehr Organisationen und Unternehmen setzen sich für Gleichberechtigung ein. Es ist noch ein weiter Weg, aber immer mehr Akteuren wird bewusst, dass die Gleichberechtigung von Frauen und Männern sich positiv auf die Menge und die Qualität der Ernten und vor allem auf das gesamte Familiengefüge auswirkt. So führt Gleichberechtigung letztlich zu einer belastbareren Gesellschaft.“

Zwei Ansätze, ein Ziel

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„Der UTZ-Code of Conduct richtet sich an die Farmer und listet die Gleichberechtigung von Frauen und Männern als integralen Bestandteil des nachhaltigen Anbaus“, sagt Joky. „Der Code schreibt fest, dass es einen Verantwortlichen vor Ort geben muss, der sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit einsetzt. Wir fördern Aufklärungskampagnen zum Thema Gleichberechtigung und die Überwachung der Trainings, um sicherzustellen, dass Frauen die gleichen Möglichkeiten zur Teilnahme erhalten wie Männer.“

Was die Arbeitsbedingungen angeht, legt der Code of Conduct den Fokus auf ein Diskriminierungsverbot, gleichen Lohn bei gleicher Arbeit und auf die Unterstützung benachteiligter Gruppen, um sich in Arbeiter- und Farmergruppen zu organisieren. Für Plantagen gibt es weitere Richtlinien, die zum Beispiel den Mutterschutz regeln und Frauen das Recht gewähren, nach der Geburt zu gleichen Konditionen in ihre Tätigkeit zurückzukehren.

Veränderung auf Branchenebene

Das UTZ-Sektor-Partnerschafts-Programm konzentriert sich auf neun Länder und sechs Nachhaltigkeitsthemen. Die Herausforderungen im Bereich Gleichberechtigung betreffen alle sechs Themenfelder. „Die Ungleichbehandlung von Frauen ist ein strukturelles Problem, weshalb es für uns besonders wichtig ist, die Kapazitäten der Akteure vor Ort zu stärken und mit weiteren Akteuren – Regierungen, Unternehmen, NGOs usw. – zusammenzuarbeiten, um ein Umdenken in Gang zu setzen sowie Einstellungen zu ändern“, erklärt Joky. „In Nicaragua arbeiten wir beispielsweise mit Kooperativen in einem Projekt zusammen, das Frauen zu wirtschaftlich selbständigen Führungskräften ausbilden soll.”

UTZ tea farmer quote Kalimuthu Saraswathy Sri LankaWo werden die Bemühungen von UTZ sichtbar?

„Wir betrachten unser Engagement als erfolgreich, wenn Frauen und Männer gleichberechtigten Zugang zu Wissen, Informationen und Leistungen haben, wenn Farmerinnen und Arbeiterinnen die Möglichkeit haben, ihre Bedürfnisse zu artikulieren und aktiv auf Entscheider-Plattformen vertreten sind“, sagt Joky. „Wenn es gleichen Lohn bei gleicher Arbeit gibt, faire Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer herrschen und Maßnahmen ergriffen wurden, um sexuelle Gewalt gegen Frauen zu verhindern. Aber auch, wenn Unternehmen beginnen, das Thema Gleichberechtigung in ihre Arbeitsverträge aufzunehmen und sich dafür einsetzen, dass sie in die Praxis umgesetzt wird.“

Das Marketing-Toolkit

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Gleichberechtigung und die neue Rainforest Alliance

Im Januar 2018 haben sich UTZ und die Rainforest Alliance offiziell zusammengeschlossen. Wir bündeln unsere Kräfte, weil wir gemeinsam mehr erreichen können und den vielen Stakeholdern, mit denen wir zusammenarbeiten, damit ein noch besserer Partner sein können. Unser neues gemeinsames Zertifizierungsprogramm werden wir voraussichtlich Ende 2019 veröffentlichen. Das Thema Gleichberechtigung wird auch innerhalb der neuen Rainforest Alliance eine Schlüsselrolle einnehmen. Es wird sowohl integraler Bestandteil des Code of Conduct für Farmer sein, als auch einen weiterhin hohen Stellenwert in unserer Arbeit auf Landschafts- und Branchenebene haben.