Integrierte Schädlingsbekämpfung ist („Integrated Pest Management“ – IPM) im Code of Conduct verankert. Wie aber funktioniert IPM in der Praxis und welche Techniken werden auf UTZ-zertifizierten Plantagen angewandt? Wir haben mit Fabian Calvo Romero, Pflanzenschutzexpertin bei UTZ, über drei Alternativen zu Pestiziden gesprochen: kulturtechnische, mechanische und biologische Methoden.

Requirements for farmers on IPM in the UTZ Code of Conduct

IPM-Anforderungen im Code of Conduct

(Aktualisiert am 27-09-2018)

Pestizide können Bauern, Verbrauchern und der Umwelt schaden. Sie werden deshalb auf UTZ-zertifizierten Plantagen nur im äußersten Notfall eingesetzt. UTZ-zertifizierte Bauern werden in integrierter Schädlingsbekämpfung („Integrated Pest Management“ – IPM) geschult und lernen, wie sie Schädlingsbefall und Krankheiten durch geeignete Anbaumethoden und chemiefreie Maßnahmen reduzieren können, ohne Chemikalien einsetzen zu müssen.

Planting shade trees_coffee_climate change

Schattenbäume helfen, ein richtiger Microklima zu schaffen und die Verbreitung von Plagen einzudämmen.

Kulturtechnische Methoden: Schaffung eines ungünstigen Klimas für Schädlinge

Einer der ersten Schritte von IPM besteht darin, sicherzustellen, dass sich Schädlinge auf einer Plantage erst gar nicht wohlfühlen. Zu diesen „kulturtechnischen“ Methoden gehört z. B., dass man beim Anbau auf ausreichend Schatten und das richtige Mikroklima – nicht zu feucht oder zu trocken – achtet. Dies hilft dabei, die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten zu vermeiden.

Mechanische Bekämpfung von Schädlingen

Wenn eine Plantage bereits von Schädlingen befallen ist, können UTZ-zertifizierte Bauern mechanische Methoden nutzen – also Werkzeuge und Techniken, die Schädlinge ohne den Einsatz von Chemikalien direkt töten oder vertreiben. In Vietnam z. B. wäscht man Schmierläuse mit Wasser von den Kaffeepflanzen ab und tötet sie dann mit Kalk. Diese Technik hilft außerdem beim Wässern der Kaffeepflanzen, was in der Trockenzeit besonders wichtig ist. Ein weiteres Beispiel kommt aus China: Dort nutzt man auf Teeplantagen Klebefallen, um Schädlinge wie Zikaden (Empoasca) und Blattläuse zu fangen.

Sticky traps tea plantations China to capture pests

Mechanische Schädlingenbekämpfung: Einsatz von Klebefallen auf Teeplantagen in China

Die Vorteile der biologischen Methoden

Pheromones attract ants to control mosquito bugs cocoa Vietnam

Biologische Schädlingsbekämpfung: Pheromone ziehen Ameisen an, die Wanzen an Kakaoschoten in Vietnam vertreiben.

Lebende Organismen wie Pilze, Räuber oder Parasiten können ebenfalls zur Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten eingesetzt werden. Ein weiteres biologisches Hilfsmittel sind Pheromone, um Insekten anzuziehen und zu fangen oder bei der Paarung zu stören und so das Schädlingsaufkommen zu verringern. In Vietnam z. B. verwendet man Ameisenpheromone, um Kakaopflanzen vor Wanzen (Helopeltis) zu schützen. Die von den Pheromonen angelockten Ameisen vertreiben oder fressen die Wanzen, die sonst die Schoten beschädigen würden.

Pheromone traps to control coffee berry borer in Peru

Pheromonfallen mit Pilzsporen (Beaveria bassiana) gegen Kaffeekirschenkäfer in Peru

Der Kaffeekirschenkäfer ist weltweit eine der größten Bedrohungen für Kaffeeplantagen. In Peru breitet er sich durch die steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels in immer höhere Lagen aus. Die peruanischen Bauern setzen zur Bekämpfung dieses Schädlings zunehmend biologische Methoden ein, z. B. Pilzsporen, die den Käfer bereits kurz nach dem Kontakt töten.

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Weitere Informationen zum Thema IPM finden Sie in unserem Blog. Alternativ können Sie uns auch eine E-Mail (marketing@utz.org) schicken; wir werden Ihre Fragen dann an einen unserer Experten weiterleiten.