Aktualisiert am 27. August 2019

Wir haben die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im UTZ Code of Conduct festgeschrieben. Gleichzeitig arbeiten wir mit der Organisation „Partnership for Gender Equity“ (PGE) vom „Coffee Quality Institute“ daran, die Voraussetzungen für Farmerinnen und ihre Familien in Nicaragua zu verbessern. Wir haben mit Kimberly Easson, Strategic Director bei PGE, über diese wichtige Aufgabe gesprochen.

Farmerinnen sind seltener im Besitz von Land und haben weniger Zugang zu Schulungen und Werkzeugen. Außerdem sind sie seltener Mitglieder in Kooperativen und sind kaum in Entscheidungsprozesse eingebunden. Darüber hinaus sind in Nicaragua – genauso wie in vielen anderen kaffeeproduzierenden Ländern – extrem niedrige Kaffeepreise, veraltete Kaffeepflanzen-Bestände und fehlender Zugang zu Krediten Probleme, die die gesamte Branche betreffen. Doch Frauen treffen sie besonders hart.

Kimberly, was bedeutet das genau?

„Die Auswirkungen fehlender Gleichberechtigung in der Kaffeebranche treffen nicht nur die Frauen. Darunter leiden auch ganze Familien, Gemeinschaften und die gesamte Branche. In kaffeeanbauenden Gemeinschaften übernehmen Frauen in der Regel 40 bis 80 Prozent der Arbeit. Dabei wird ihre Arbeit weder wahrgenommen noch entlohnt. Das hat einen enormen Einfluss auf die Kaffeequalität sowie auf die Lebensqualität der Familien.“

Wie kann die Gleichberechtigung von Männern und Frauen die Situation verbessern?

„Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen geht davon aus, dass die Erträge in der Kaffeeproduktion pro Haushalt um 30 Prozent steigen würden, hätten Farmerinnen den gleichen Zugang zu Arbeit, Düngemitteln und Saatgut wie Männer.“ „Kaffeeunternehmen und führende Entwicklungsorganisationen sind überzeugt, dass Gleichberechtigung die Voraussetzung dafür ist, die Zukunft des Kaffeeanbaus zu sichern und die Lebensumstände der Farmer zu verbessern. Indem wir die Gleichberechtigung der Geschlechter vorantreiben, verbessern sich die Bedingungen für den Kaffeeanbau in Form kleiner Familienunternehmen. Und wir helfen dabei, dass sowohl mehr Frauen als auch Männer besser auf die Anforderungen des Markts reagieren können.“

Wenn sich genauso viele Frauen an der Lieferkette beteiligen würden wie Männer, könnten sowohl die Erntemenge als auch die Erntequalität gesteigert werden. Damit würde die Chance auf weltweite Nahrungsmittelsicherheit erhöht und die Armut reduziert werden.

„Wenn sich genauso viele Frauen an der Lieferkette beteiligen würden wie Männer, könnten sowohl die Erntemenge als auch die Erntequalität gesteigert werden. Damit würde die Chance auf weltweite Nahrungsmittelsicherheit erhöht und die Armut reduziert werden.“

Was tut PGE, um dieses Ziel zu erreichen?

„Wir bringen private Unternehmen, Entwicklungsorganisationen, Forschungsinstitute und Kenner der Situation vor Ort zusammen, damit sie in ihrem Bereich der Lieferkette Maßnahmen für mehr Gleichberechtigung durchsetzen.“ „Außerdem arbeiten wir mit Partnern in den Herstellungsländern zusammen, damit mehr Frauen an Schulungen teilnehmen, sich der Anteil an Frauen in Führungspositionen erhöht und Frauen besseren Zugang zu Krediten und Kapital erhalten. Wir setzen uns aber auch für mehr Gleichberechtigung auf privater Ebene ein. Das tun wir, indem wir das Mitbestimmungs- und Besitzrecht der Frauen stärken. Wir konzentrieren uns bei unserer Arbeit auf Familien und Gemeinschaften im Kaffeeanbau. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Kleinbauern. Wir verfolgen ein integratives Konzept, das für Männer und Frauen gleichermaßen gilt und das sich auf die Zusammenarbeit über die gesamte Branche hinweg stützt, um eine möglichst große Wirkung zu erzielen.“

 

Warum setzen Sie auf das Sektor-Partnerschafts-Programm?

„Die Qualität der Kaffeebohne an sich ist lediglich ein Faktor für die Qualität der Industrie als solche. Weitere Faktoren sind Nachhaltigkeitsstandards, dauerhafte Partnerschaften und Unternehmen, die sich für das Wohl der Farmer einsetzen. Für das „Coffee Quality Institute“ ist es entscheidend, dass wir uns mit anderen Nachhaltigkeitsinitiativen zusammentun und mit den passenden Partnern zusammenarbeiten, damit Farmer auf all diesen Ebenen mehr erreichen. Nur so können wir den Farmern die besten Möglichkeiten bieten, um ihre Lebensqualität zu steigern.“

Worin besteht für Sie der Mehrwert in unserer Zusammenarbeit?

„Die Rainforest Alliance* ist seit Beginn der Zusammenarbeit ein inspirierender Partner, der erkannt hat, dass langfristige Bemühungen notwendig sind, um Veränderungen zu erreichen. Der Implementierungszeitraum für die Farmer beträgt drei Jahre. Die Organisation versteht, dass ein Jahr nicht ausreicht, um einen richtigen Wandel herbeizuführen und dass Veränderungen erst über einen längeren Zeitraum messbar werden.“

Die Rainforest Alliance weiß, wie wichtig es ist, dass Maßnahmen über die gesamte Branche hinweg gefördert werden. Wir freuen uns, dass auch in anderen Ländern Projekte zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen entstehen.

„Die Rainforest Alliance* weiß, wie wichtig es ist, dass Maßnahmen über die gesamte Branche hinweg gefördert werden. Wir freuen uns, dass auch in anderen Ländern Projekte zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen entstehen.“

Welchen Herausforderungen sehen Sie sich gegenüber?

„Die Kaffeebranche neigt dazu, an den Begriff „Frauen“ zu denken, wenn wir von „Geschlecht“ reden. Sowohl Männer als auch Frauen müssen aktiv eingebunden werden, wenn es darum geht, ein Umdenken herbeizuführen und Verhaltensweisen zu ändern. Jeder sollte in diesen Prozess eingebunden sein, denn wir alle profitieren von Gleichberechtigung, ganz unabhängig von unserem Geschlecht.“ Dieses Projekt ist Teil des Sektor-Partnerschafts-Programms. Es trägt zusammen mit der Zertifizierung dazu bei, die Gleichstellung von Männern und Frauen zu erreichen und den nachhaltigen Anbau zur Norm zu machen. Hier erfahren Sie mehr zu diesem Thema. Weitere Informationen über die Organsiation „Partnership for Gender Equity“ finden Sie hier.  

* Die Rainforest Alliance und UTZ haben sich Anfang 2018 zusammengeschlossen. Lesen Sie mehr.