Aktualisiert am 15. April 2019

Schädlinge und Krankheiten stellen für Farmer eine ständige Bedrohung dar, aber chemische Pflanzenschutzmittel können die Gesundheit der Arbeiter, die sie anwenden, aufs Spiel setzen und die Umwelt schädigen. Fabián Calvo Romero, Global Officer Resources, erläutert, dass zertifizierte Farmer dahingehend geschult werden, Alternativen einzusetzen, sodass Pflanzenschutzmittel das letzte Mittel sind.   

Nutzpflanzen, Menschen und den Planeten schützen

„Farmer müssen weltweit mit Schädlingen und Krankheiten fertigwerden. Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten so hart beim Anbau Ihrer Nutzpflanzen, nur damit sie dann von Insekten oder Pilzkrankheiten vernichtet werden. Für Farmer, die bereits ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, kann dies verheerend sein, vor allem, weil der Klimawandel das Risiko für Schädlingsplagen erhöht“, erklärt Fabián.Fungal disease leave rust or roya affecting coffee plants

Deshalb verwenden die meisten Farmer Pflanzenschutzmittel. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geht jedoch mit Risiken einher. „Einige Pflanzenschutzmittel können für die Menschen, die ihnen ausgesetzt sind, sehr gefährlich werden. Sie können außerdem schwerwiegende Folgen für die Umwelt haben. Wir sehen zum Beispiel weltweit, dass Bestäuberinsekten wie Bienen schwer durch Pflanzenschutzmittel geschädigt werden.“

Wie sieht also die Lösung aus? „Langfristig hängt nachhaltige Produktivität von einer gesunden Bevölkerung und einem gesunden Planeten ab. Wir müssen eine Balance finden und sicherstellen, dass sowohl die Nutzpflanzen als auch die Menschen und der Planet geschützt werden.“

Alternativen zu PflanzenschutzmittelnGraphic alternative to pesticides for UTZ farmers

Für UTZ-zertifizierte Farmer ist der erste Verteidigungsansatz die Vorbeugung gegen Schädlinge und Krankheiten. „Bei einer gesunden Nutzpflanze ist es unwahrscheinlicher, dass sie angegriffen wird“, sagt Fabián. „Darum werden die Farmer in guten landwirtschaftlichen Praktiken geschult, was dabei hilft, die Nutzpflanze zu stärken, indem zum Beispiel widerstandsfähige und an die örtlichen Gegebenheiten angepasste Pflanzen verwendet werden und der Boden so bewirtschaftet wird, dass die Fruchtbarkeit erhöht und Erosion verringert wird.

Sogar mit diesen vorbeugenden Maßnahmen können Schädlinge und Krankheiten nach wie vor ein Problem sein. „Der zweite Schritt, den UTZ-Farmer ausführen, ist die Anwendung nicht-chemischer Kotrollverfahren. Dazu kann auch gehören, dass die Umgebung weniger attraktiv für Schädlinge gemacht wird. Einige Schädlinge gedeihen zum Beispiel bei strahlendem Sonnenlicht, weshalb die Einführung von mehr Schatten dabei helfen kann, sie zu bekämpfen. Andere Alternativen sind die direkte Entfernung oder Vernichtung der Schädlinge oder die Einführung anderer Insekten, die die natürlichen Feinde der Schädlinge sind.“

Fabián erklärt, dass die UTZ-zertifizierten Farmer nur dann chemische Pflanzenschutzmittel einsetzen können, wenn diese Methoden ausgeschöpft wurden.

Strenge Vorschriften für Gesundheit und Sicherheit

Agrochemikalien werden sicher mit Anweisungen an einer Kaffeefarm in Guatemala gelagert.

Sichere Lagerung von Agrochemikalien an zertifizierten Farmen.

Wenn Farmer Pflanzenschutzmittel anwenden, gibt es strenge Vorschriften. Die verwendeten Pflanzenschutzmittel müssen für die Anwendung bei einer bestimmten Nutzpflanze registriert sein und Pflanzenschutzmittel, die schädlich für den Menschen oder den Planeten sind, sind vollständig verboten. Diejenigen, die erlaubt sind, müssen mit großer Vorsicht eingesetzt werden.

„Beim UTZ Programm gibt es viele verschiedene Regeln in Zusammenhang mit dem sicheren Umgang und der sicheren Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, und Farmer und Arbeiter werden sorgfältig in Bezug auf ihre Einhaltung geschult“, sagt Fabián. „Pflanzenschutzmittel müssen zum Beispiel sicher verwahrt und die leeren Behälter sicher entsorgt werden, um das Risiko für Mensch und Umwelt zu minimieren. Die Menschen, die mit den Pflanzenschutzmitteln arbeiten, müssen geeignete Schutzkleidung tragen. Es muss die richtige Menge angewendet werden und das muss im richtigen Stadium erfolgen, um Rückstände auf dem geernteten Produkt zu vermeiden. Anfällige Menschen, zum Beispiel schwangere Frauen und Kinder, dürfen zu keinem Zeitpunkt mit Pflanzenschutzmitteln arbeiten.“

Kakaofarmer an der Elfenbeinküste werden geschult, wie Sie sicher Pestizide verwenden.

Bauern an der Elfenbeinküsten werden im sicheren Umgang mit Agrochemikalien geschult.

Diese guten Praktiken schützen die Gesundheit der Farmer und Arbeiter und auch die der Verbraucher, da durch sie die Senkung des Rückstandgehalts im Endprodukt gewährleistet ist.

Außerdem, und das ist genauso wichtig, stellen die UTZ-Anforderungen sicher, dass die Umwelt geschützt wird. Es gibt zum Beispiel strenge Regeln zum Schutz der Biodiversität und zur Vermeidung der Kontaminierung von Boden und Wasserressourcen.

„Dieser Ansatz bedeutet, dass die schädlichsten Pflanzenschutzmittel vollständig eliminiert werden, die Nutzung anderer Pflanzenschutzmittel reduziert wird und ihre Anwendung, wenn sie erfolgt, auf sichere Weise geschieht.“

EU Organic farming logo

Der Unterschied zwischen dem UTZ Programm und Bio

Durch diesen Ansatz unterscheidet sich das UTZ Programm vom Nachhaltigkeitsansatz der biologischen Landwirtschaft, die sich die vollständige Eliminierung aller synthetischen Pflanzenschutzmittel zum Schwerpunkt gesetzt hat. Unsere Organisation hat einen ganzheitlichen Ansatz zum Ziel, bei dem Nachhaltigkeit nicht nur von Umweltkriterien abhängt, sondern auch Aspekte wie die Arbeitsbedingungen, die Gleichbehandlung beider Geschlechter und den Kampf gegen Kinderarbeit einbezogen werden. Immer mehr Farmer kombinieren die UTZ- und Bio-Zertifizierungen; nahezu 30 % der UTZ-zertifizierten Teebauern sagen, dass sie auch die Bio-Zertifizierung haben. Das kann ihnen sehr große Vorteile verschaffen, da es die Marktnachfrage nach ihren Nutzpflanzen erhöhen kann.

Umgang mit Pflanzenschutzmitteln in der Praxis

Leo Kouassi Garçon arbeitet in der Kakao-Kooperative SCACEP in Côte d’Ivoire als Pflanzenschutzmittelanwender und Zuständiger für das Lager. Im Video unten erklärt Leo den Umgang mit Geräten und Produkten und spricht über die Schulung, die sie bekommen haben. (4″43).


(Anmerkung: Das Video mit englischen Untertiteln. Wenn Sie sie nicht sehen, können Sie sie mit einem Klick rechts unten auf dem Video einschalten) 

Mehr erfahren?

Möchten Sie mehr Informationen zu diesem Thema? Dann lesen Sie hier über die Koalition zur Schädlingsbekämpfung (in englischer Sprache) oder laden Sie sich hier unser Positionspapier (ebenfalls auf Englisch) herunter.