Am 12. Februar 2019 richtete die Rainforest Alliance gemeinsam mit der Africa Fine Coffees Association (AFCA) ihren zweiten Nachhaltigkeitstag in Ruanda aus. Zu der Veranstaltung kamen mehr als 200 Teilnehmer, darunter FarmerInnen, NGOs, NachhaltigkeitsexpertInnen, Forschungsinstitute, RegierungsvertreterInnen, Unternehmen und weitere Stakeholder aus dem Kaffeesektor. Gemeinsam haben wir im Rahmen von drei Sessions beleuchtet, wie den größten Herausforderungen im Kaffeeanbau begegnet werden kann: der Überalterung von FarmerInnen, Kaffeebäumen und Technologiemethoden. Dabei wurde auch diskutiert, was wir aus den guten wie schlechten Erfahrungen der Teilnehmer für die Zukunft lernen können.

Zu Beginn führte George Watene von der Global Coffee Platform allgemein in das Thema ein. Er stellte die Ergebnisse einer Studie zur Rentabilität von Kaffee vor, die die Coffee Platforms Ugandas und Kenias durchgeführt hatten. Dieser Auftakt bildete die thematische Basis für den Nachhaltigkeitstag: Das Vorstellen der drei Kernthemen im Kaffeesektor regte bereits erste lebhafte und offene Diskussionen an.

Making coffee farming attractive for the next generation

© William Crosse/Rainforest Alliance

Überalterung von FarmerInnen: Wie man die nächste Generation für den Kaffeeanbau begeistern kann

Die erste Session befasste sich mit der Frage, wie man die jüngere Generation stärker in den Kaffeeanbau einbinden kann. Hierzu führte Kimberly Easson von der Partnership for Gender Equity durch eine Präsentation sowie ein Podiumsgespräch. Als Hauptproblem wurde identifiziert, dass der Kaffeeanbau momentan unter einem ausgeprägten Generationskonflikt leidet. Oftmals ist das Verhältnis zwischen der älteren und der jüngeren Generation von einem hohen Grad an Misstrauen gekennzeichnet.

Die Diskussion zeigte deutlich, dass eine positive Entwicklung davon abhängt, den Jüngeren mehr Möglichkeiten zu geben, sich im Kaffeeanbau zu entfalten und diesen mitzugestalten. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist, unter anderem das wichtige Thema der Preisschwankungen anzupacken. Dies kann zum einen durch mehr Trainings und Wissensvermittlung rund um die Steigerung der Farmproduktivität geschehen – und zum anderen durch die Einbindung von Vorbildern, die die jüngere Generation anleiten und für ihren eigenen Weg inspirieren.

Easson fasste passend dazu zusammen: „Es wird weiterhin eine Herausforderung für nachhaltigen Kaffee bleiben, dass wir unsere Perspektive wirklich erweitern. Wir müssen uns weiter bemühen und daran arbeiten, auch alle anderen Menschen, die am Kaffeeanbau beteiligt sind, einzubinden: Frauen sowie die jüngere Generation.”

Dieses Thema wird auch Teil des neuen Standards für nachhaltige Landwirtschaft der Rainforest Alliance sein. Dieser wird momentan erarbeitet und voraussichtlich Ende des Jahres veröffentlicht. Bereits jetzt unterhält die Rainforest Alliance weltweit zahlreiche Projekte, um die jüngere Generation in der Landwirtschaft zu unterstützen. Die Arbeit am neuen Standard wird weiter dazu beitragen, diese Projekte rund um den Globus noch intensiver voranzutreiben.

Rehabilitationa and Regeneration in coffee farmingÜberalterung von Kaffeebäumen: Wie „Wiederaufbau & Rehabilitierung” Teil des Farmmanagements werden können

Die zweite Diskussionsrunde des Tages war einem Thema gewidmet, das Kaffeefarmen schon seit geraumer Zeit vor große Herausforderungen stellt: die Überalterung der Kaffeebäume. Raina Lang von Conservation International führte durch die dazugehörige Präsentation und leitete auch die Podiumsdiskussion. Außerdem gab es Raum für Gruppenarbeit, sodass sich die Stakeholder über ihre persönlichen Erfahrungen zu diesem Thema austauschen konnten. Lang führte aus, dass mehr als die Hälfte der Kaffeebäume in Ostafrika älter als 50 Jahre ist. Besonders von einem in der Produktivität nachlassenden Baumbestand betroffen sind Farmen von Kleinbauern. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig und entscheidend, Maßnahmen zum Wiederaufbau und zur Rehabilitierung der Kaffeebäume (Renovation & Rehabilitation, kurz R&R) mit ganz nach oben auf die Agenda zu nehmen. Nur so kann die Produktivität der Farmen erfolgreich vorangetrieben und die Zukunft des Kaffees gesichert werden. Gleichzeitig sind Maßnahmen im R&R-Bereich kostenintensiv. Solange die Zukunft des Kaffees unsicher ist, handelt es sich bei R&R demnach um eine wichtige, aber auch mit Risiken behaftete Unternehmensentscheidung, die FarmerInnen zu treffen haben.

Lang führte dazu aus, „dass es nie den perfekten Zeitpunkt für R&R-Maßnahmen zu geben scheint, wenn Farmerinnen und Farmer kein zusätzliches Budget für Investitionen zur Verfügung haben. Wenn wir unseren Blick nach vorne richten, ist es aber unabdinglich, dass R&R fester Bestandteil der Maßnahmenplanung wird.“

Auf konkrete Lösungen bezogen drehte sich die Diskussion vor allem um folgende Fragen: wie R&R-Maßnahmen effizienter implementiert werden können, wie sie erfolgreich in die Jahresplanung integriert werden können und welche Förderungs- und Kreditoptionen es gibt, um die finanzielle Belastung der Farmen zu verringern. Am Ende der Session herrschte Einigkeit darüber, dass R&R nicht leicht umzusetzen, mithilfe von guter Planung und konsequentem Farmmanagement jedoch möglich ist. Auch dieser Themenkomplex wird in den neuen Standard der Rainforest Alliance einfließen.

Innovating technology in coffee farming

© William Crosse/Rainforest Alliance

Überalterung von Technologiemethoden: Wie neue Technologien und Innovationen in den Kaffeeanbau integriert werden können

Als letzter Tagesordnungspunkt wurden veraltete Technologiemethoden im Kaffeeanbau diskutiert. Diese Session leitete Gigi Gatti von der Grameen Foundation, einer unserer Partner in der Sat4Farming-Initiative. Dabei ging es hauptsächlich darum, wie das interne Managementsystem digitalisiert wird und wie FarmerInnen Daten für ihre Entscheidungsfindung nutzen können. Der Kaffeeanbau kann in vielfältiger Weise vom Einsatz innovativer Technologien profitieren. Dazu gehört zum Beispiel das bessere Monitoring einer Farm mithilfe von Satellitenbildern. Dies kann den FarmerInnen dabei helfen, schnellere Lösungen zu entwickeln, zum Beispiel beim Umgang mit den Folgen des Klimawandels.

Wiederholt Gegenstand der Diskussion: Es ist wichtig, gleichermaßen in Menschen wie in Technologien zu investieren. Die erfolgreiche Implementierung von technologischen Maßnahmen muss also mit regelmäßigen Trainings für diejenigen Hand in Hand gehen, die diese Technologien nutzen. Außerdem müssen wir uns nicht nur die Chancen bewusst machen, sondern auch bezüglich der Grenzen in der Umsetzung realistisch bleiben – etwa hinsichtlich eingeschränktem Internetzugang, Herausforderungen des Datenschutzes oder eventueller Vorab-Investitionen vonseiten der FarmerInnen.

Gatti sagte dazu: „Neue Technologien stecken voller Möglichkeiten und können Wegbereiter für viele weitere Chancen sein. Doch worauf es ankommt ist, wie sie umgesetzt werden und wie die Menschen sie nutzen. Man muss in die Mitarbeiter und Nutzer vor Ort investieren. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, dass die Menschen das Angebot richtig annehmen.“

Der neue Standard der Rainforest Alliance wird sich so stark auf die Zuhilfenahme von Daten stützen wie niemals zuvor. Diesen Herausforderungen werden wir demnach auch in Zukunft mit voller Kraft entgegentreten, um die Reichweite unserer Programme weiter auszubauen und unsere Arbeit noch besser nachverfolgen zu können.

Ria Stout speech at AFCA Sustainability Day 2019

Ria Stout, Chief Regional Officer der Rainforest Alliance

Nur Zusammenarbeit kann Kaffee fit für die Zukunft machen

Der diesjährige Nachhaltigkeitstag brachte eine Reihe an Erkenntnissen und Einblicken. Mit der größte Verdienst ist jedoch schon, so viele Stakeholder an einem Ort zusammengebracht zu haben. Wir fördern den Austausch untereinander und lernen so aus den Erfahrungen aus den verschiedensten Teilbereichen der Kaffeelieferkette. Wenn wir die Herausforderungen gemeinsam anpacken, können wir sie besser lösen. Das sieht auch Ria Stout, Chief Regional Officer der Rainforest Alliance, so: „Wir wollen den Kaffeesektor zukunftssicher machen und das geht nur, wenn wir alle zusammenarbeiten.“

Fühlen Sie sich von den Ergebnissen des diesjährigen Nachhaltigkeitstags in Ruanda inspiriert? Möchten Sie mehr erfahren oder sogar mitmachen? Hier können Sie sich durch die Präsentationen klicken, die vor Ort gehalten wurden. Wir laden Sie außerdem herzlich ein, 2020 an unserem nächsten Nachhaltigkeitstag zusammen mit AFCA teilzunehmen. Helfen Sie uns dabei, den Kaffeesektor fit für die Zukunft zu machen!

Wenn Sie sich bisher noch nicht engagieren, nun aber in mehr Nachhaltigkeit investieren wollen: Werden Sie noch heute Teil der Rainforest Alliance und erfahren Sie hier alles Wissenswerte. Sollten Sie bereits zu unseren Partnern gehören, unterstützen wir Sie gerne dabei, Ihre Stakeholder zu erreichen und ihre Reichweite zu vergrößern. Sprechen Sie uns an!