Egal in welchen Supermarkt man geht: Es gibt dort eine Vielzahl an Produkten , die ein Nachhaltigkeitssiegel tragen. Man könnte also beinahe vergessen, dass Zertifizierungen ein noch recht junges Phänomen sind. Die allerersten Nachhaltigkeitslabel tauchten vor etwa 30 Jahren auf Produkten wie zum Beispiel Kaffee und Bananen auf. Dass Nachhaltigkeitsstandards mittlerweile auch auf dem Massenmarkt angekommen sind, hat sich aber erst in den letzten zehn Jahren so entwickelt.

Was den belgisch-guatemaltekischen Kaffeeanbauer Nick Bocklandt und den niederländischen Kaffeeröster Ward de Groote im Jahr 1997 zusammenbrachte, war ihre Vision: Sie wollten eine neue Zertifizierung für Kaffee erschaffen. Sie haben einen Weg gesehen, wie sie ihren Einfluss vergrößern können. Das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit hieß UTZ. Heute wird UTZ 15 Jahre alt.

Mittlerweile ist UTZ das größte Zertifizierungsprogramm für Kaffee und Kakao, aber auch die Programme für Tee, Roiboos und Haselnüsse sind marktrelevant. Von UTZ zertifizierte Rohstoffe werden auf mehr als 2,7 Millionen Hektar Land angebaut, das Programm erreicht über 1,2 Millionen Farmer und Arbeiter in 41 Ländern. Im Jahr 2016 haben Unternehmen außerdem so viele UTZ-Rohstoffe bezogen, dass es für 15 Milliarden Tafeln Schokolade und 38 Milliarden Tassen Kaffee ausreicht.

Infographik 2016 UTZ Impact: Höhepunkte

Unsere Gründer waren von der Vorstellung inspiriert, dass nachhaltiger Kaffee eines Tages weltweit verfügbar und der Mehwert eines nachhaltigen Anbaus überall auf der Welt spürbar wären. Durch die Gründung von UTZ haben sie uns diesem Ziel ein gewaltiges Stück nähergebracht.

Coffee farmer in HondurasTrotzdem gibt es immer noch immer eine Menge zu tun. Klimawandel, niedrige Löhne, die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern – das alles sind große Probleme, von deren Lösung wir noch weit entfernt sind. Zu viele der Farmer und Arbeiter auf der Welt kämpfen tagtäglich um ein Auskommen. Viele von ihnen spüren bereits die ersten Auswirkungen der steigenden Temperaturen oder unregelmäßiger Regenfälle. Frauen werden nach wie vor systematisch ausgeschlossen und diskriminiert. Diese Probleme stellen auch eine echte Bedrohung für die zukünftige Versorgung mit Rohstoffen wie Kakao, Kaffee und Tee dar.

Es mag teilweise vielleicht sogar an den Fortschritten liegen, die wir erreicht haben – aber noch viel beunruhigender als die Nachschubsituation ist, dass wir Gefahr laufen, selbstgefällig zu werden. Laut eines aktuellen Reports der „Economist Intelligence Group“ mit dem Titel „No more excuses – responsible supply chains in a globalised world“ bewerten vier von fünf Unternehmen ihre Lieferketten als nachhaltig. Gleichzeitig belegt der Report aber auch, dass weniger als ein Viertel der weltweiten Unternehmen sich aktiv in den Kampf gegen Schlüsselprobleme wie Klimawandel oder Kinderarbeit einbringt. Tatsächlich haben 30 Prozent der Unternehmen das Thema nachhaltige Lieferketten in den letzten fünf Jahren sogar mehr aus dem Fokus verloren.

Was wir brauchen, ist ein Mehr an Verpflichtung von Seiten der Unternehmen, nicht weniger davon. Schließlich profitieren Marken vom Bezug nachhaltiger Rohstoffe. So hat eine aktuelle Untersuchung von Nielsen zum Beispiel mehr als 1.300 Marken in 13 Märkten miteinander verglichen und dabei festgestellt: Marken, die sich nachweislich zu Nachhaltigkeit bekennen, verzeichneten ein vierprozentiges Umsatzwachstum. Währenddessen wuchs der Umsatz von Marken ohne nachhaltigen Anspruch um weniger als ein Prozent. Diese Ergebnisse legen nahe, dass das Vertrauen in ein Unternehmen oder eine Marke die größte Kaufmotivation für den Verbraucher ist und dass die Verpflichtung zu mehr Nachhaltigkeit immer wichtiger dafür wird, dieses Vertrauen herzustellen.

Ein weiterer Bericht, der 40 vorangegangene sowie unabhängige Studien analysiert und mehr als einhundert Unternehmer aus vier verschiedenen Bereichen befragt hat, listet darüber hinaus eine ganze Reihe an Vorteilen für zertifizierte Unternehmen auf. Sie reichen von einem verbesserten Marktzugang über die gesteigerte Profitabilität und Produktion bis hin zu einer höheren Reputation und der Verringerung von Risiken.

Trotzdem liegt die Verpflichtung natürlich nicht nur bei den Unternehmen. Für mich ist ganz klar, dass wir die Erfolge der letzten Jahre zu einem großen Teil der Zusammenarbeit mit anderen verdanken. Nur weil sich Farmer, Händler, die Industrie, NGOs und Regierungen gemeinsam für einen Strukturwandel stark gemacht haben, konnten wir den Anteil der nachhaltigen Produktion erhöhen. Wenn wir diesen Kurs beibehalten wollen, zählt die Zusammenarbeit mit anderen mehr denn je.

Genau deshalb haben wir vor kurzem unsere Absicht bekannt gegeben, dass UTZ sich mit der Rainforest Alliance zusammenschließt. Die neue Organisation wird einen gemeinsamen globalen Zertifizierungsstandard schaffen, der die Zertifizeirung für Farmer vereinfacht und es Unternehmen ermöglicht, ihre Lieferketten nachhaltiger und effizienter zu gestalten. Es handelt sich hierbei um eine spannende Entwicklung, die uns im Kampf gegen den Klimawandel, gegen die Entwaldung und gegen die systemische Armut eine größere Reichweite und eine stärkere Stimme gibt. Ich bin fest davon überzeugt, dass uns diese neueste Zusammenarbeit dem Ziel, nachhaltigen Anbau zur Norm zu machen, noch einmal näher bringt. Ich lade Sie alle ein, uns auf dieser Reise zu begleiten.