Aktualisiert am 15. April 2019

Mehr als 15.000 Produkte wurden 2018 weltweit als UTZ-zertifiziert ausgelobt. Das UTZ-Label steht für bessere Chancen für Bauern und deren Familien. Wir befassen uns mit komplexen Themen wie Klimawandel, existenzsichernde Löhne und eben das Vorkommen von Kinderarbeit. Eine naheliegende Frage, die wir oft von Unternehmen hören, ist, ob das UTZ-Label auf einem Produkt Rohstoffe ohne Einsatz von Kinderarbeit garantiert. Siriki Diakité, unser Vertreter an der Elfenbeinküste, wo mehr als 420.000 Bauern am UTZ-Programm teilnehmen, erklärt, warum man unmöglich Garantien geben kann – und wie wir uns engagieren, um Kinderarbeit zu beseitigen. Cooperative CAFHS in Daloa

Kinderarbeit kommt weiterhin vor

Niemand möchte sich vorstellen, dass vielleicht ein Kind bei dem Anbau der Rohstoffe für ein Produkt gelitten hat, das man gerade genießt. Doch leider ist Kinderarbeit weitaus üblicher, als man denkt. Laut der International Labor Organization (ILO) sind 152 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen. Die Landwirtschaft ist bei Weitem der größte Bereich, in dem Kinderarbeit vorkommt. Kinderarbeit kommt auch bei Kaffee, Tee und Haselnüssen vor, aber es ist ein sehr großes Thema im Kakaosektor. Laut dem Cocoabarometer 2018 arbeiten schätzungsweise 2,1 Millionen Kinder alleine an der Elfenbeinküste und in Ghana. Wie ist Kinderarbeit entstanden? Siriki erläutert: „Der Kakaoanbau bedeutet schwere Arbeit und Farmer verdienen nicht viel. Deswegen sehen Familien die Notwendigkeit für unbezahlte Arbeiter. Auch gibt es Probleme mit Menschenhandel und moderner Sklaverei.”

Kinder unter 12 sollen grundsätzlich überhaupt nicht arbeiten

Das Verbot von Kinderarbeit steht im Fokus des UTZ-Progamms. „Die Regeln im Programm sind eindeutig”, sagt Siriki, „Kinder unter 12 sollen grundsätzlich überhaupt nicht arbeiten. Ältere Kinder dürfen ihren Eltern mit leichten altersgerechten Aufgaben aushelfen, unter der Bedingung, dass es sie nicht von der Schule abhält und sie nicht in Gefahr bringt.”

Sign against child labor

 

Sanktionen sind nicht genug, um Kinderarbeit zu stoppen

Kinder von den zertifizierten Farmen fernzuhalten bzw. das Zertifikat solcher Farmen auszusetzen – so beugt man Kinderarbeit vor, oder? „Um das Problem wirklich zu lösen, müssen wir viel mehr tun“, sagt Siriki. „Verbiete einem Kind, auf einer Farm zu arbeiten, und Kinderarbeit wird im Verborgenen stattfinden, das Kind wird zur Nachbarfarm, wo Kautschuk wächst, oder in die nächstgelegene Fabrik gehen.”

Deshalb folgen wir dem Ansatz von Prävention – Monitoring – Unterstützung, der weit über Sanktionen hinausgeht, und kooperiert mit anderen Initiativen, um echte Lösungen zu finden.

 

Lebensbedingungen verbessern

Children going to school in a cocoa community in Ghana

Armut ist die größte Antriebskraft für Kinderarbeit. Am effektivsten geht man gegen Kinderarbeit vor, indem man diese Ursache anpackt. „Viele Farmen verdienen nicht oder gerade genug, um davon zu leben, ihre Familien zu unterhalten und die Kinder in die Schule zu schicken“, erklärt Siriki, „Deshalb ist die Verbesserung der Produktivität – und  damit des Einkommens – der Farmer ein Mittel, das im Kampf gegen Kinderarbeit wirkt. Dort setzt das UTZ-Programm an. Die Farmer hinsichtlich effektiver Anbaumethoden zu schulen, hilft ihnen dabei, ihre Einkünfte aus Kakao zu steigern.”

Das Bewusstsein steigern

The UTZ program emphasizes the importance of education, leading to better opportunities for children. These children live in Petit Bouaké, a village near the city of Soubré in Côte d'Ivoire. Their parents are part of the NOCAAP Cooperative. Find out more about the Cooperative here.UTZ-zertifizierte Farmen werden jährlich durch unabhängige Prüfstellen auf die Einhaltung des UTZ Codes of Conduct überprüft. Kein System kann eine Farm 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr überwachen und garantieren, dass dort nie ein Kind gearbeitet hat. Darum ist es wesentlich, dass die Zuständigkeit für Maßnahmen zur Beseitigung von Kinderarbeit bei der Gemeinschaft liegt. „Farmer erhalten Schulungen zum Thema Kinderarbeit: was ist erlaubt und was ist verboten, und auch über die Bedeutung von Schulausbildung für Kinder“, ergänzt Siriki, „Das ist sehr wichtig, da viele Farmer selbst als Kinder gearbeitet haben und sich der Alternativen nicht bewusst sind.“ „Darüber hinaus müssen Farmer-Gruppen Fragebögen ausfüllen, um das Risiko zu bewerten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für Kinderarbeit in der Gemeinschaft ist. Wenn Kinderarbeit wahrscheinlich ist, dann muss die Farmer-Gruppe einen Kinderarbeits-Beauftragten (Child Labor Liason Officer) ernennen. Das ist jemand aus der Gemeinschaft, der die Beziehungen mit der Gemeinschaft und das Bewusstsein aufbaut und ggf. Vorfälle behandelt.“

Kinder gehören in die Schule

Children_go_to_school_002Wenn Kinderarbeit vorgefunden wird, was passiert dann? „Die erste Priorität ist, dass das Kind schnellstmöglich aus der Situation herausgenommen wird. Dann werden Maßnahmen ergriffen, dass es zur Schule gehen kann“, so Siriki, „Was man macht, hängt von der Situation ab. Manchmal sind das einfache Dinge wie das Beschaffen einer Kopie der Geburtsurkunde, einer Schuluniform oder von Büchern. Oft sind dies Voraussetzungen für den Schulbesuch. In anderen Fällen kann die Gemeinschaft fördern, dass die Verfügbarkeit oder Qualität von Schulen verbessert wird. Im Fall von Menschenhandel oder Sklaverei müssen die lokalen Behörden sofort informiert werden. Sie können dann die Täter strafrechtlich verfolgen.” Und wenn das Problem bleibt? „Das UTZ-System erlaubt auch strenge Sanktionen, wenn nötig. Wenn die Farmer keine Verbesserung zeigen, werden sie aus dem Programm ausgeschlossen und können ihre Ernte nicht als UTZ-zertifiziert verkaufen.“

Sektorübergreifende Zusammenarbeit

Obwohl das UTZ-Label keine 100%-Garantie für Produkte ohne Kinderarbeit geben kann, ermutigt und unterstützt Ihr Bezug von UTZ-zertifizierten Rohstoffen Bauern, auf Kinderarbeit zu verzichten. Je mehr Unternehmen hinter dem Ziel für einen Kakaosektor ohne Kinderarbeit stehen, desto mehr Farmer und Kinder profitieren. Aber ihre gänzliche Abschaffung bleibt eine große Herausforderung. „Die Situation ist unglaublich komplex – wir brauchen eine bessere Infrastruktur, verbesserte Gesundheits- und Bildungsdienstleistungen, kulturelle Änderungen und die anhaltende Unterstützung von Regierungen und Unternehmen“, sagt Siriki. Unser Sektor Partnerschafts Programm baut auf Zertifizierung und Gemeinschaften, und stärkt die Zivilgesellschaft, um die nötige Veränderung im Kakaosektor auf struktureller Ebene herbeizuführen. „Wir müssen uns gemeinsam mit allen Partnern weiterhin bemühen, Kinderarbeit zu beseitigen. Aber jeden Tag sehe ich positive Veränderungen, die aus dem UTZ-Program resultieren“, fasst Siriki zusammen.  

Tiefer in das Thema einsteigen?

Möchten Sie mehr über unser Engagement zur Beiseitigung von Kinderarbeit wissen? Dann schauen Sie sich das Marketing Kommunikations Toolkit zum Thema Kinderarbeit an. Dort finden Sie Links zu unserem Webinar (auch auf Deutsch), unser Positionspapier, Erfahrungsberichte von Farmern, Infographiken und vieles mehr.

Quote from UTZ cocoa farmer Diomanadé Adama Côte d’Ivoire (German)y)

Sie finden unter anderem Farmertestimonials im Communications Toolkit.