Unternehmen erleben eine digitale Revolution. Das exponentielle Wachstum von Technologien, wie mobile Zahlungssysteme, maschinelles Lernen, Satellitenbilder und andere Innovationen, verändert Systeme und Prozesse und generiert außerdem wertvolle Informationen, um bessere Entscheidungen treffen zu können. Die Herausforderung besteht darin, diese Technologien in ein nachhaltiges Lieferkettenmanagement einzubinden, insbesondere in die Beschaffung von täglichen Konsumgütern wie Tee, Kaffee und Kakao. Wir haben mit Daan de Vries, Chief Innovation & Technology Officer bei Rainforest Alliance, darüber gesprochen, wie Unternehmen die Digitalisierung für sich nutzen können, um in ihrer Lieferkette kritischen Themen wie Klimawandel, Entwaldung, bedrohten Ökosystemen und ländlicher Armut zu begegnen.

Ich beobachte Veränderungen auf drei Ebenen, die es Unternehmen ermöglichen, nachhaltige Lieferketten mit Hilfe digitalisierter Daten besser zu verwalten.

Messung von Performance und Return of Investment

Da Nachhaltigkeit immer mehr Bestandteil von geschäftlichen Handlungen wird, fordern Unternehmen verbesserte Messmethoden zur Performance und zum Return on Invest (ROI) durch tiefere Einsicht in ihre Lieferketten. Digitalisierung ermöglicht an dieser Stelle mehr Transparenz und führt zur Verbesserung von Nachhaltigkeitsstrategien, was wiederum zu mehr Vertrauen bei den Stakeholdern führt.

Dies wird deutlich am Beispiel von CocoaAction, einer Plattform, die führende Kakao- und Schokoladenunternehmen zusammenbringt. Gemeinsam mit der Rainforest Alliance werden digital Daten darüber erfasst, wie die Kakaofarmer die Praktiken des nachhaltigeren Anbaus umsetzen. Mithilfe der Analyse dieser Daten können sowohl die Unternehmen als auch die Farmer fundierte Entscheidungen darüber treffen, in welche Maßnahmen Zeit und Geld am wirkungsvollsten und nachhaltigsten eingesetzt werden müssen.

Effizientes Sammeln und Auswerten der Daten

Viele Unternehmen schließen sich Programmen für eine zertifizierte Rohstoffbeschaffung an – als einen wichtigen Bestandteil ihrer nachhaltigen Lieferketten. Denn Zertifizierungen schaffen ein Level an Transparenz und das gleichzeitige Einbeziehen von Stakeholdern, was wenig andere Ansätze bieten. Dadurch haben sowohl die Unternehmen als auch Farmer Zugriff auf eine Vielzahl an Daten – zumeist jedoch noch immer in Papierform.

Viele Systeme wurden vor über einem Jahrzehnt gestartet und verändern sich nun aufgrund der deutlich höheren digitalen Konnektivität, gesunkener Implementierungskosten sowie der gestiegenen Alphabetisierung rapide. Mehrere Projekte der Rainforest Alliance ermöglichen es Farmern, Daten zu sammeln, sodass sie besser und effizienter beurteilen können, wie sie im Hinblick auf unsere Nachhaltigkeitsstandards abschneiden und wo dringend erforderliche Verbesserungen vorgenommen werden können. Die Daten von den Feldern sind sofort auf einem Dashboard verfügbar, wodurch Farmer schnell handeln können.

Zusätzlich zu diesen Effizienzvorteilen kann die weitere, vertiefende Auswertung von Daten innerhalb von Farmergruppen – kombiniert mit Informationsquellen Dritter – Farmern, Auditoren und Unternehmen nützen. Zum Beispiel analysiert die Rainforest Alliance digitale Daten von Partnern vor Ort , unter anderem in Pilotprojekten der Kakao- und Haselnuss-Programme von UTZ.

Data collectors on a cacao farm in Indonesia

Datensammler auf einer Kakaofarm in Indonesien

Zum Vorteil von Kleinfarmern

In Industrieländern wird die Präzisionslandwirtschaft mit Hilfe der Digitalisierung in Form von beispielsweise Erdsonden, automatischer Bewässerungssysteme oder Luftraumüberwachung bereits umfassend genutzt. In Ländern mit geringem bis mittlerem Einkommen oder für Kleinbauern dagegen muss ein anderer Technologiemix zum Einsatz kommen. Das Sammeln und Auswerten von Daten kann dabei helfen, die negativen Folgen nicht-nachhaltiger Anbaupraktiken zu identifizieren und zu verstehen. Darauf basierend können individuelle Lösungen und Maßnahmen entwickelt und deren Fortschritte digital erfasst werden. Damit Farmer selbst Daten erfassen, ist es immens wichtig, dass sie deren Mehrwert nachvollziehen können.

Zusammen mit der Grameen Foundation, Mars und anderen Partnern hat die Rainforest Alliance kürzlich das SAT4Farming-Programm gestartet. Die Initiative versorgt tausende von Kakao-Kleinbauern mit Informationen und Input, mit deren Hilfe sie ihre Produktivität erhöhen und nachhaltiger agieren können.  SAT4Farming erstellt anhand digitaler Technologien und Satellitenbildern individuelle Pläne zur Farmentwicklung, sogenannte FDPs (Farm Development Plans), die beispielsweise ghanaische Kakaofarmer über einen Zeitraum von sieben Jahren begleiten sollen.

Field coordinator Isaac Addo with workers Joseph Kwaku Boakye and Jennifer Hunkple.

Feldkoordinator Isaac Addo mit Arbeitern Joseph Kwaku Boakye und Jennifer Hunkple im SAT4Farming-Programm.

Ein weiteres Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen der Rainforest Alliance und Nestlé zur Überwachung und Bewertung des Nachhaltigkeitsrisikos sowie der Leistung von Kaffeefarmern von Nescafé-Plan in zehn Ländern. Innerhalb dieses Projektes werden die wichtigsten Daten und Kennzahlen mithilfe von mobilen Lösungen erfasst, welche die manuelle Eingabe von Daten und die Durchführung zeitintensiver Datenqualitätskontrollen überflüssig machen. Im Rahmen dieser Partnerschaft wurde zudem auch ein Tool zur Visualisierung von Daten eingeführt, um die Qualität der Erkenntnisse und Entscheidungen durch die gesammelten Daten weiter zu steigern.

Zusammenarbeit zur Verstärkung von Felddigitalisierung

Mit der Zeit werden wir wissen, inwieweit die digitalen Partnerschaften die Transparenz und Nachhaltigkeit in Warenlieferketten im großen Maße vorantreiben und positive Auswirkungen für alle Farmer haben werden. Diese Reise ist nicht ohne Hindernisse. Zum Beispiel ist der Austausch von Daten und das Verbinden von Datensätzen viel mehr als nur eine technische Herausforderung – es gibt soziale, kommerzielle und rechtliche Aspekte, die ebenfalls beachtet werden müssen.

Zur Überwindung der Hindernisse müssen alle Beteiligten, einschließlich Nachhaltigkeitsstandards, NGOs, Unternehmen und Regierungen ihre Kräfte bündeln, um die Digitalisierung vor Ort zu beschleunigen und den Farmern – sowie unsere Umwelt – zu ermöglichen, in einem größeren Umfang davon zu profitieren.

Dieser Blogbeitrag basiert auf einem Artikel, der auf GreenBiz veröffentlicht wurde.