Aktualisiert am 23. Mai 2019

Eine Zertifizierung hilft Farmern und der Umwelt. Sie kann aber noch mehr: Sie kann als Katalysator für den Wandel in einer ganzen Region fungieren. Wir sprechen mit dem Kaffeefarmer Thribuvan Sathvik, der Mitglied des „Western Ghats Sustainable Farming Consortium“ ist. Dieses Konsortium ist die erste und einzige Gruppe von Kaffee-Kleinbauern in Indien, die unabhängig UTZ-zertifiziert ist. Sathvik berichtet von den konkreten Vorteilen und Verbesserungen, die er seit Erteilung der Zertifizierung beobachtet – und davon, wie die Zertifizierung dem Konsortium dabei hilft, die einzigartige Biodiversität der gesamten Region zu schützen.

 

Eine Produzentengruppe, die sich leidenschaftlich für den Umweltschutz engagiert

Etwa 80 Prozent des indischen Kaffees stammen aus den Westghats – einem Gebiet in Südwest-Indien, das über eine einmalige Artenvielfalt verfügt. Im Herzen dieser Bergregion, die ihrerseits in Indiens Haupt-Kaffeestaat Karnataka liegt, ist das „Western Ghats Sustainable Farming Consortium“ beheimatet.

Neelkant Pandhare visting a coffee farm in India

Neelkant Pandhare (links), Field Coordinator für das UTZ Programm in Indien, auf einer Kaffeefarm des „Western Ghats Sustainable Farming Consortium“

 

Das Konsortium ist dafür bekannt, sich aktiv für den Schutz der Biodiversität vor Ort einzusetzen. Die Farmer des Konsortiums tun im Rahmen der Kaffeeproduktion viel dafür, die einmalige Flora und Fauna der Region zu bewahren. Ihr leidenschaftliches Engagement hat ihrem Kaffee den Beinamen „Waldkaffee” eingebracht.

In der UTZ-Zertifizierung sahen die Farmer einen Weg, um dieses Engagement noch zu verstärken.

„Diese Kaffeefarmer möchten gerne noch mehr tun, um die reiche Artenvielfalt, die ihnen seit langem so viel bedeutet und die sie seit Jahrzehnten hegen und pflegen, zu erhalten,“ sagt Neelkant Pandhare (links), Field Coordinator für das UTZ Programm in Indien.

 

Trainings führen zu mehr Effizienz und Transparenz

Thribuvan Sathvik conducting training

Thribuvan Sathvik bei einer Schulung von Mitgliedern des „Western Ghats Sustainable Farming Consortium”

Seit der Zertifizierung im Jahr 2016 führt das Konsortium Trainingsprogramme durch. Sie helfen den Farmern dabei, ihre Ressourcen effizienter einzusetzen. „Heute wissen wir, dass es Chemikalien gibt, die sowohl der Biodiversität als auch den Arbeitern schaden. Wo immer es möglich ist, versuchen viele Farmer bei uns, auf biodynamische Anbaumethoden umzustellen. Außerdem haben wir mittlerweile einen umweltfreundlichen Pulper, mit dessen Hilfe wir den Prozess, die Kaffeebohne vom Fruchtfleisch zu trennen, zentral und gebündelt ausführen können,“ sagt Thribuvan Sathvik.

Darüber hinaus hat das „Interne Management System“ den Gruppenzusammenhalt gestärkt und die Sorgfalt auf den einzelnen Farmen verbessert. Gleichzeitig hat das System der Rückverfolgbarkeit dazu beigetragen, die Identität des einzelnen Farmers zu bewahren. Sathvik findet, dass das web-basierte Rückverfolgbarkeitssystem dem Konsortium eine großartige Möglichkeit bietet, um die Herkunftsgeschichte seines Kaffees innerhalb der Lieferkette nach außen zu tragen und zu teilen. Es hat außerdem nach und nach ins Bewusstsein gerückt, dass auch die Qualität des Kaffees ein wichtiger Faktor ist.

Mit Blick auf die Zukunft nutzen die Farmer das Training zur UTZ-Zertifizierung immer mehr dazu, Schwachstellen zu identifizieren und gezielt anzugehen. Sie haben erkannt, dass Preisschwankungen auf dem Kaffeemarkt sowie der Klimawandel noch viele Herausforderungen mit sich bringen werden. Aus diesem Grund haben sie mit dem Anbau von schwarzem Pfeffer, Vanille, Kardamom, Arekanüssen, Orangen und Bananen begonnen, um ihre Farmen zu diversifizieren und sich breiter aufzustellen.

 

 

Preisverhandlungen: Verbesserung der Ausgangssituation und bessere Ergebnisse

„Das Konsortium ist die einzige Farmergruppe in Indien, bei der die Kleinbauern die Kosten der UTZ-Zertifizierung mittragen,“ sagt Thribuvan Sathvik. „Das UTZ-Zertifikat ist demnach direkt an die Farmer gebunden. Das stärkt sie und verbessert ihre Verhandlungsposition auf dem gesamten Markt. Im Kollektiv sind sie in der Lage, bessere Preise zu verhandeln.“

Das Konsortium ist die einzige Farmergruppe in Indien, bei der die Kleinbauern die Kosten der UTZ-Zertifizierung mittragen. Das stärkt sie und verbessert ihre Verhandlungsposition auf dem gesamten Markt. Im Kollektiv sind sie in der Lage, bessere Preise zu verhandeln.

Das ist deshalb von so großer Bedeutung, da 99 Prozent der Kaffeefarmer in Indien lediglich über kleine Anbauflächen verfügen (weniger als vier Hektar) und wenig Informationen über den positiven Effekt einer Zertifizierung in Umlauf sind. In der Regel haben daher nur Farmer mit großen Anbauflächen die Möglichkeit einer UTZ-Zertifizierung – und zwar mithilfe des „exporter led – group certification model“. In diesem Modell trägt der Exporteur die Kosten der Zertifizierung. Er ist damit auch derjenige, an den das Zertifikat gebunden ist.

 

Türöffner für neue Märkte und Katalysator für Verbesserungen in der ganzen Region

Member meeting of the Western Ghats Sustainable Farming Consortium in India

Mitgliederversammlung des „Western Ghats Sustainable Farming Consortium” in Indien

 Das Konsortium hofft, mithilfe der UTZ-Zertifizierung neue Märkte zu erschließen und höhere Gewinne zu erzielen. Damit sollen die Kosten, die für den verantwortungsvolleren und nachhaltigeren Anbau anfallen, ausgeglichen werden. Sathvik sagt: „Eine neue Marketingkampagne mit dem Titel ‘Wesfarm’ hat dabei geholfen, unsere Marke bei potentiellen Käufern bekannter und begehrter zu machen.“

Er schreibt der Zertifizierung auch einen positiven Effekt auf die Region als Ganzes zu. „Der größte Mehrwert der UTZ-Zertifizierung ist, dass sie als Katalysator für die Implementierung von nachhaltigeren Anbaupraktiken in den Westghats wirkt.“

 

Der größte Mehrwert der UTZ-Zertifizierung ist, dass sie als Katalysator für die Implementierung von nachhaltigeren Anbaupraktiken in den Westghats wirkt.

„In Zukunft würden wir gerne auch direkt mit Verbrauchern in Verbindung treten, die den Wert unseres Kaffees erkennen und das Ökosystem, in dem er angebaut wird, zu schätzen wissen,“ schließt Thribuvan Sathvik.

Möchten Sie Kontakt zum „Western Ghats Sustainable Farming Consortium” aufnehmen? Oder möchten Sie mehr über Zertifizierung erfahren? Dann schreiben Sie uns eine Email.