Uns liegt der am 23. Oktober 2019 in der Washington Post veröffentlichte Investigativ-Bericht zu den Herausforderungen im Kakaoanbau in Westafrika vor. Westafrika ist in eine der wichtigsten Kakaoanbauregionen der Welt. Die Rainforest Alliance wurde im vergangenen Jahr erstmals auf diese Herausforderungen aufmerksam, nachdem wir bei unseren regelmäßigen Kontrollmaßnahmen Verstöße gegen unseren Zertifizierungsstandard festgestellt hatten. Im April 2019 haben wir nach einer gewissenhaften Prüfung ausgewählten Zertifikatsinhabern die Zertifizierung entzogen und unseren Cocoa Assurance Plan eingeführt, den wir im Folgenden näher erläutern.

Wir sind uns dieser Herausforderungen im Kakaoanbau in Westafrika bewusst – sind diese doch für uns ein wesentlicher Grund, warum wir uns entschieden haben, die FarmerInnen in diesen Ländern zu unterstützen und unsere Zusammenarbeit mit allen Akteuren der globalen Lieferkette auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Kakaosektor auszubauen. Solche Beiträge (wie in der Washington Post) können wir nur begrüßen. Denn sie unterstützen unsere kontinuierlichen Bemühungen, die Bedingungen und Systeme für zertifizierte Betriebe und Farmen zu verbessern in den 60 Ländern, in denen wir tätig sind.

Die Rainforest Alliance wird sich auch weiterhin – auf den Kakaofarmen in Westafrika und weltweit – dafür einsetzen, die ökologischen und sozialen Bedingungen zu verbessern. Gemeinsam mit vielen anderen Akteuren der Lieferkette tragen wir die Verantwortung dafür, den Kakaosektor in Westafrika nachhaltiger zu gestalten.

Unser Cocoa Assurance Plan

Die Rainforest Alliance arbeiten kontinuierlich an der Optimierung unserer Standards und Auditierungsverfahren (Kontrollen). So haben wir beispielsweise aktiv Maßnahmen eingeleitet, um die Kontrollmechanismen der Audits zu verbessern. Dazu gehören verstärkte und regelmäßig unangekündigte Audits (Kontrollen) in allen Sektoren und Regionen.

Im April 2019 haben wir alle in Ghana und der Elfenbeinküste tätigen Stakeholder über unseren neuen Cocoa Assurance Plan informiert. Dieser Plan umfasst einen einjährigen Aufnahmestopp für alle neuen Kakao-Zertifizierungen in Ghana und der Elfenbeinküste sowie die De-Zertifizierungen für ausgewählte Zertifikatinhaber. Dieser Plan beinhaltet außerdem konkrete Maßnahmen, die auf denen der Vorjahre aufbauen, um die Qualität unseres Zertifizierungsprogramms zu verbessern.

Darüber hinaus haben die vier Zertifizierungsstellen (Certification Bodies) (Africert, Bureau Norme Audit, Bureau Veritas und Control Union), die den Großteil der Audits für UTZ-zertifizierte Gruppen durchführen, eine Rüge erhalten. Zwei Zertifizierungsstellen wurde verboten Audits durchzuführen oder neue Farmen zu zertifizieren.

Zertifizierungsstellen sind unabhängige, externe Organisationen, die AuditorInnen dazu ausbilden, Kontrollen durchzuführen. Korruption gehörte jedoch nicht zu den festgestellten Regelverstößen in diesem Jahr. Seit dem 15-jährigen Bestehen hat UTZ bisher nur einzelne Fälle von Korruption nachgewiesen und bestätigt.

Neugestaltung der Zertifizierung

Das neue Rainforest Alliance Zertifizierungsprogramm 2020 befindet sich derzeit in der Entwicklung und ist der erste Schritt hin zu einer kompletten Neuausrichtung unserer Zertifizierung. Der neue Ansatz beinhaltet unter anderem aktualisierte Regeln und Verfahren für eine bessere Zusammenarbeit mit den Zertifizierungsstellen. Durch verbesserter Schulungsmaßnahmen für Auditoren und Zertifizierungsstellen, und durch neue Technologien, wie beispielsweise die Geodatenanalyse, sollen unsere Qualitätssicherungssysteme  deutlich effizienter und präziser werden.

Ein Zertifizierungssystem muss flexibel und innovativ sein, um sich an die verändernden Bedingungen vor Ort anzupassen – sowie eine höchstmögliche Wirkung zu erzielen und einen echten Mehrwert für Produzenten und Unternehmen zu schaffen. Wir haben konsequent an der Verbesserung unserer Standards, Sicherungsmechanismen und damit verbundenen Maßnahmen gearbeitet und werden dies auch weiterhin tun. Im neuen Zertifizierungsprogramm legen wir unseren Fokus außerdem auf transparente Datenstandards, einen klareren Fokus auf kontinuierliche Verbesserungen und einen neuen, innovativen Ansatz zur Qualitätssicherung.

Kinderarbeit

Aus einer 2018 durchgeführten Studie der Universität Wageningen geht hervor, dass Kinderarbeit nach wie vor eine der großen Herausforderungen im Kakaosektor ist – ganz unabhängig davon, ob ein Betrieb zertifiziert ist oder nicht. Die Rainforest Alliance begrüßte diese unabhängige Einschätzung, die wichtige Erkenntnisse über die Effektivität, aber auch über die Grenzen des UTZ-Zertifizierungsprogramms an der Elfenbeinküste im Zeitraum 2013 bis 2017 lieferte. Unser damaliges Statement können Sie HIER einsehen.

Der aktuelle Standard der Rainforest Alliance konzentriert sich auf das Verbot von Kinderarbeit und entsprechendem Entzug der Zertifizierung bei festgestellten Verstößen. Ein einfaches Verbot wäre allerdings zu kurzfristig gedacht und kann nicht die eigentlichen Ursachen von Kinderarbeit bekämpfen. Wir setzen daher auf Due-Diligence-Ansätze (Sorgfaltspflichten) und Korrekturmaßnahmen, da sie im Kampf gegen Kinderarbeit eine größere Wirkung erzielen als ein einfaches Verbot. Im aktuellen UTZ-Standard ist bereits ein System umgesetzt, das Gruppen und Betriebe dazu verpflichtet, die Risiken von Kinderarbeit einzuschätzen. Stellen sie Risiken fest, sind die Zertifikatsinhaber dazu verpflichtet, Maßnahmen und Systeme zur Identifizierung und Abschaffung von Kinderarbeit einzurichten und durchzuführen. Dieses sogenannte Child Labor Monitoring & Remediation System (CLMRS) beruht auf bewährten Methoden (Best Pratices) und wird von vielen Unternehmen in Zusammenarbeit mit der NGO International Cocoa Initiative (ICI) umgesetzt.

Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, diesen CLMRS-Ansatz in unseren Zertifizierungsprogrammen konsequent weiterzuentwickeln. Dadurch werden FarmbesitzerInnen und Kollektive dazu angeregt, die Ursachen von Kinderarbeit in Zusammenarbeit mit Regierung, Zivilgesellschaft und Akteuren der Lieferkette durch eine proaktive und ganzheitliche Strategie anzugehen. Dieser Ansatz konzentriert sich also darauf, die Ursachen für Kinderarbeit zu identifizieren und zu beheben (Bewertungs- und Adressansatz) und entspricht dabei den Leitsätzen der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte.

Die Rainforest Alliance (wie zuvor auch UTZ) ist Partner der International Cocoa Initiative, einer Stiftung, die die Kakao- und Schokoladen-Industrie, Zivilgesellschaften, Anbaugemeinschaften und Regierungen in den kakaoproduzierenden Ländern zusammenbringt. Ziel ist es, eine bessere Zukunft für Kinder zu sichern und die Abschaffung von Kinderarbeit voranzutreiben. (Mehr unter: https://cocoainitiative.org/)

Schutzgebiete / Abholzung

Abholzung und Walddegradation gehören zu den kritischsten Herausforderungen im Kakaosektor an der Elfenbeinküste. Trotz kleinerer Unterschiede in den Anforderungen, untersagen die Standards der Rainforest Alliance und UTZ die Zerstörung von Wäldern und den illegalen (Rohstoff-) Anbau in Schutzgebieten. Unsere Zertifizierungsprogramme beinhalten zusätzliche Anleitung und Schulungen für die Auditoren. Lokale Auditoren werden ausgebildet, um Abholzung und entsprechende Verstöße während der Kontrollen besser identifizieren zu können.

Es gehört zu den wichtigsten Zielen der Rainforest Alliance, die agrarbedingte Abholzung zu verhindern. Technologische Entwicklungen und eine zunehmende Zahl von Berichten über die Entwaldung haben uns veranlasst, von 2017 bis 2018 eine Risikoanalyse der Elfenbeinküste durchzuführen. Infolgedessen stuften wir 61 (Farmer-)Gruppen als „hochgradig risikobehaftet“ ein – entweder aufgrund ihrer Nähe zu Schutzgebieten oder weil hohe Verluste der Walddecke entdeckt wurden. 2018 haben wir daher diese 61 Gruppen dazu verpflichtet, vollumfängliche GPS-Daten für ihre Farmen bereitzustellen. Auch künftig verlangen wir von allen zertifizierten Betrieben in Ghana und der Elfenbeinküste, dass 100 Prozent ihrer Farmen per GPS kartiert werden.

Unsere Allianz

Die Rainforest Alliance arbeitet an der Schnittstelle von Schnittstelle von Wirtschaft, Land- und Forstwirtschaft. Wir sind der Ansicht, dass Partnerschaft und Zusammenarbeit der Schlüssel zur Bewältigung der großen Herausforderungen im Kakaosektor sind.  Unsere Arbeit ist eine gemeinsame Anstrengung mit Produzenten und anderen Akteuren der Lieferkette; ohne die Zusammenarbeit dieser anderen Akteure – einschließlich Regierungen, Unternehmen und NGOs – kann kein einzelner Interessenvertreter diese Herausforderungen alleine lösen.