Aktualisiert am 1. Juli 2019

Ob sie nun in unseren Plätzchen steckt oder in einem Heißgetränk an einem kalten Tag – Schokolade ist überall. Aber woher kommt sie, und wie wird sie gemacht? Über so etwas denken die meisten von uns nicht nach, wenn sie eine neue Tafel Schokolade auspacken. Wir möchten heute diese Fragen beantworten und uns ansehen, wie der wichtigste Rohstoff für Schokolade, Kakao, produziert wird, welche Probleme es dabei gibt und welche Rolle das UTZ Programm selbst in der Branche spielt.

Wo wird Kakao angebaut?

Kakao wird von mehr als 5,5 Millionen Bauern in entlegenen, ländlichen Regionen angebaut. 70 % der weltweiten Produktion stammen aus Westafrika, und die größten Erzeuger sind (in dieser Reihenfolge): die Elfenbeinküste, Ghana, Indonesien, Nigeria und Kamerun. Die übrigen 30 % Kakao werden in einigen weiteren Ländern rund um den Äquator angebaut, weil Kakaobäume zum Gedeihen eine heiße und feuchte Umgebung brauchen.

Cocoa production world map with top 5 producing countries

Top 5 Anbauländer in Kakao und Anbaugebiet

Der meiste Kakao wird von Kleinbetrieben angebaut, und fast 90 % der Produktion stammen von Plantagen mit einer Fläche von unter 5 Hektar. Es gibt auch einige Großplantagen, und zwar vor allem in Ecuador und Brasilien. Während der durchschnittliche Ertrag kleiner Plantagen bei etwa 500 kg pro Hektar liegt, können es bei großen bis zu 3 Tonnen Kakao pro Hektar sein.

Kakaoverarbeitung von der Bohne bis zur Tafel

Kakao  wird aus der Frucht – oder Schote – des Kakaobaums gewonnen. In diesen Schoten befinden sich Samen, die man Kakaobohnen nennt.

Um den Kakao zu gewinnen, den wir alle kennen und lieben, müssen diese Samen geerntet und fermentiert werden.

Das Fruchtfleisch und die Samen werden aus der Kakaoschote entfernt.

Kakao wird ein- oder zweimal jährlich während mehrerer Monate geerntet, weil die Kakaoschoten zu verschiedenen Zeiten reifen, selbst wenn sie am gleichen Baum hängen. Der Zeitpunkt der Kakaoernte ist von Land zu Land sehr unterschiedlich und hängt vom Klima und von der Kakaosorte ab.

Die gepflückten Kakaoschoten werden von Hand aufgeschnitten. Dann werden das Fruchtfleisch und die Samen zu Haufen aufgeschichtet und etwa 5 bis 7 Tage liegen gelassen, damit sie fermentieren. Der Fermentationsprozess verleiht den Kakaobohnen ihre braune Farbe und unterstützt die Entwicklung der unverkennbaren Kakaoaromen.

Anschließend werden die Bohnen in der Sonne oder durch künstliche Hitze getrocknet und können dann entweder gemahlen oder exportiert werden.

Drying cocoa at Abrobapa cocoa association,Ghana

Kakaobohnen werden in der Sonne getrocknet.

 

Vor dem Zermahlen werden die Kakaobohnen geröstet und geschält. Anschließend verarbeitet man die Bohnen zu Kakaorohmasse (Liquor), die zu Kakaobutter und Kakaopulver gepresst wird. Schokoladenhersteller kaufen diese Produkte, um daraus Schokolade und kakaohaltige Produkte zu machen, die letztendlich weltweit verkauft wird.

Diagram visualizing cocoa processing from bean to bar

Wer sind die Bauern?

Das Durchschnittsalter eines Kakaobauern liegt zwischen 45 und 50 Jahren; der Anbau wird sowohl von Männern als auch Frauen betrieben. Da das Einkommen aus dem Kakaoanbau in Westafrika bei nur etwa 0,78 $ pro Tag liegt (Cocoa Barometer 2018), sind Kakaobauern normalerweise arm bis sehr arm. Die meisten jungen Leute wandern auf der Suche nach einer besseren Arbeit in die Städte ab. Das macht den Kakaoanbau zu einem aussterbenden Berufszweig, der dringend einer Wiederbelebung bedarf.

Herausforderungen im Sektor

Die Kakaoindustrie steht aktuell vor vielen sozialen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen. Wie bereits erwähnt, haben Kakaoplantagen wegen der schlechten Arbeitsbedingungen und des geringen Einkommens der Bauern Schwierigkeiten, junge Arbeitskräfte zu finden. Unterdessen ist die erzeugte Kakaomenge gering, während die Nachfrage nach Kakao weiter steigt. In mehreren Ländern hat dies dazu geführt, dass der Kakaoanbau mit Entwaldung einhergeht. Statt in alternde Plantagen mit sinkendem Ertrag zu investieren, holzen manche Bauern lieber den Wald für neue Plantagen ab. Aus vielschichtigen Gründen arbeiten auch viele Kinder auf Kakaoplantagen, was Kinderarbeit in mehreren Ländern zu einem weitverbreiteten Problem macht. Daneben hat man auf vielen Plantagen außerdem mit Geschlechterdiskriminierung zu kämpfen, weil Produktion und Einkommen in der Regel von Männern kontrolliert werden. Die Zahl der weiblichen Führungskräfte in den Agrargenossenschaften vor Ort ist sehr gering. Und als wäre all das nicht schon schlimm genug, kommt noch der Klimawandel hinzu, der zuverlässige Wettervorhersagen zunehmend erschwert, was erhebliche Auswirkungen auf die Erträge und die Produktivität kleiner Plantagen hat.

Die Chance

Trotz all dieser Herausforderungen befindet sich der Kakaosektor dennoch in einer guten Ausgangsposition für einen Wandel. Obwohl der Kakaoanbau aktuell durch Entwaldung in einigen Regionen eine Mitschuld an der stark sinkenden Artenvielfalt trägt, kann die Kakaopflanze bei einem verantwortungsvollen Umgang viele ökologische Vorteile mit sich bringen. Man könnte mit Kakaoplantagen z. B. Lebensraum für Primaten schaffen oder zum Schutz vor Erosion und Bodenverschlechterung beitragen.

Die Kakaoindustrie selbst ist außerdem stark konzentriert, denn nur etwa acht Händler und Verarbeiter kontrollieren rund drei Viertel des weltweiten Kakaohandels. Das bedeutet, dass durch branchenweite Zusammenarbeit und sektorübergreifende Partnerschaften relativ schnell umfassende Veränderungen möglich sind.

Was wir tun

UTZ arbeitet als weltweit größtes Zertifizierungsprogramm für nachhaltige Kakaoproduktion mit mehr als 807.000 Kakaobauern in 18 Erzeugerländern zusammen (2018). Wir schulen Trainer für die Bauern, um diesen bessere Anbaumethoden zu vermitteln und Investitionen in eine nachhaltigere Kakaoproduktion zu unterstützen.

Das Sektorpartnerschafts-Programm von UTZWir arbeiten im Rahmen unseres Sektor-Partnerschaftsprogramms außerdem mit der Zivilgesellschaft, Regierungen und großen Branchenvertretern zusammen. Indem wir das Leben der Bauern verbessern, die Lobbyarbeit und Interessenvertretung durch Nichtregierungsorganisationen unterstützen und mit Branchenführern zusammenarbeiten, ermöglichen wir einen echten Wandel sowohl von unten nach oben als auch von oben nach unten. Das UTZ-Programm ergreift entsprechende Maßnahmen, um Kinderarbeit auf UTZ-zertifizierten Plantagen zu vermeiden, und möchte mit seinen Initiativen erreichen, dass diese Methoden branchenweit übernommen werden.

Wir haben zwar noch einen langen Weg vor uns, bis Nachhaltigkeit in der Kakaoindustrie zur Norm wird, aber die Branche bewegt sich in die richtige Richtung und macht Fortschritte.

Glauben auch Sie, dass die Zukunft Ihres Unternehmens in einer nachhaltigen Kakaoproduktion liegt? Dann melden Sie sich noch heute für das UTZ Programm an.